love to learn - was dein Lebenslauf über dich aussagt

Der Lebenslauf – und was er über uns sagt

Das harte Business. Den rechten Arbeitsplatz ergattern. Die richtigen Kandidaten rekrutieren. Alles möglichst effizient, punktgenau und möglichst qualitätsgesichert. Es geht schließlich um Geld, Karriere und … Erfolg.

Das, wovon alle träumen.

Die Personalmanagerin. Sie wird daran gemessen, wie es ihr gelingt, ausgeschriebene Positionen zu besetzen. Mit den Besten der Besten selbstverständlich. Und wenn alles gut geht, kann sie sich auch nächstes Jahr wieder den Traumurlaub auf den Malediven leisten.

Der karriereorientierte Mit-Dreißiger. Studium in Mindeststudiendauer absolviert. Mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Dann 3 Monate Weltreise damals. Rechtzeitig wieder zurück zum Berufseinstieg. 50 bis 60 Stunden die Woche, das musst du die ersten 3 Jahre durchhalten, dann hast du die erste Hürde geschafft. Anschließend Wechsel, nochmals Auslandserfahrung gesammelt. Erste Führungsverantwortung getragen. Und jetzt. Weiter geht’s – immer weiter. Womöglich eines Tages in die Vorstandsetage.

Die Wiedereinsteigerin. Neben den Kindern hier und da ein wenig „gejobt“. Auf gutem Niveau zwar, aber eben immer nur für wenige Monate, 20 Stunden die Woche vielleicht – und meist bescheiden bezahlt. Jetzt endlich wieder etwas Kontinuierliches. Nochmals was aufbauen halt. Jetzt, wo die Kinder schon so selbständig sind …

Der nach der Auszeit. Halbes Jahr Jakobsweg. Coole Erfahrung. Und dass das mit 50 noch drin war, erfüllt ihn schon mit etwas Stolz. Er hatte es einfach nochmals wissen wollen. Dann, je näher die Heimreise rückte, dieses flaue Gefühl im Magen. Ach, irgendwie wird es schon gehen – ich kann neben meinen fachlichen Qualifikationen schließlich auch eine Menge Lebenserfahrung bieten.

Die Herausforderung

Wer sind Sie, was haben Sie bisher gemacht, was ist Ihnen wichtig und wohin wollen Sie? Was – meinen Sie – möchte Ihr Gegenüber von Ihnen hören, damit er oder sie Ihnen gibt, was Sie wollen?

Oder umgekehrt: Wer kommt da auf Sie zu, der sich um eine Position in Ihrem Unternehmen bewerben möchte – in diesen paar Seiten Lebenslauf? Wie stellt er oder sie sich dar, was steckt tatsächlich dahinter … und was davon wird genau jetzt in Ihrem Unternehmen gesucht?

Eines haben alle diese Situationen gemeinsam. Das Wesentliche steht meist nicht auf dem Papier.

In Kontakt. Mit sich und dem Gegenüber

Wer wir sind, was uns begeistert und wohin wir wollen. Das in Erfahrung zu bringen ist der Hebel, an dem sich „Erfolg“ kristallisieren kann. Bestenfalls.

Als ich vor Jahren intensiv in dem Geschäft der Personalvermittlung tätig war, wandte sich ein befreundeter Mitt-Dreißiger mit einer ihn offensichtlich bedrängenden Frage an mich:

„Was muss ich tun, um diesen Job zu bekommen?“

Der Kandidat hatte sich trotz einer krankheitsbedingten Belastung in der Familie[nbsp] seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechend mehrfach beruflich verändert und war jetzt in Sorge, sich gegen jüngere Kandidaten möglicherweise nicht (mehr) durchsetzen zu können.

„Möglicherweise komme ich diesmal nicht zum Zug und es wäre mein Traumjob“ – war seine Sorge.

„Möglicherweise kommst du zum Zug, aber die Stelle ist überhaupt nicht dein Traumjob“ – war meine Entgegnung.

Meiner Erfahrung nach wird selten so viel gelogen wie im Bewerbungsverfahren.

Unternehmen neigen dazu, sich im vermeintlichen Kampf um sogenannte „high potentials“ wie eine geschmückte Braut herauszuputzen. Und mit Versprechungen zu locken, die sie nicht oder nur mit größter Mühe erfüllen können.

Kandidatinnen und Kandidaten bereiten sich akribisch vor auf Gesprächsrunden, Assessment Center und eignungsdiagnostische Verfahren.

Zu wissen, was man wirklich will und den tatsächlichen Bedarf des Gegenübers ernsthaft abzuklären – das ist schon die halbe Miete. Doch gerade in angespannten Situationen neigen wir dazu, jeden Strohhalm zu ergreifen (auch wenn der am völlig falschen Ufer angewachsen ist).

Der erwähnte Kandidat trat nach unserem Gespräch übrigens sehr souverän auf, wurde eingestellt … und die Stelle war ihm auch tatsächlich wie auf den Leib geschnitten.

Wer bin ich – und wenn ja wie viele?

Vermutlich kennen auch Sie das aus Ihrem eigenen Leben – oder haben zumindest das eine oder andere Gespräch mit einem Menschen in einer entsprechenden Situation geführt. So richtig Weltschmerz halt.

„Warum muss das auch immer mir passieren?“

„Ich bekomme auch wirklich nichts auf die Reihe!“

„Bei mir läuft aber auch wirklich alles schief!“

In der entsprechenden Gemütslage scheinen sich unsere Lebensläufe plötzlich in einen großen, dunklen Schatten zu verwandeln. Die Spur des vermeintlichen Versagens reicht bis in die früheste Kindheit … oder gar noch weiter zurück. Karma und so.

„Eigentlich war alles immer schon schrecklich.“

In freundlicheren Zeiten erscheinen auch schwierigere Lebensphasen in milderem Licht.

„Ja, es war nicht einfach damals. Aber ich habe dabei ungemein viel gelernt.“

… und selbst bei den persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen lassen sich Laufbahnen mitunter in völlig unterschiedlichem Licht betrachten. Da werden scheinbare „Nebentätigkeiten“ plötzlich wichtig und prominenter herausgekehrt. Aus einem zahlenorientierten Sachbearbeiter in der Buchhaltung, der ab und zu Kundenkontakt hatte wird jemand, der schon als Sachbearbeiter in der Buchhaltung den direkten Kontakt zur Kundschaft suchte und sich jetzt entsprechend weiter entwickeln möchte.

„Der Sieger schreibt die Geschichte“ – heißt es gemeinhin. Welche unserer Fähigkeiten und Neigungen letztlich die Oberhand gewinnt, das können wir viel mehr beeinflussen, als es den meisten von uns überhaupt klar ist.

Neugierig geworden? In einem meiner Coaching-Tipps stelle ich eine einfache, aber ungemein wirkungsvolle Übung vor, die hier weiter hilft – und mit Sicherheit den einen oder anderen Aha-Effekt bereithält.

Was der Lebenslauf über uns verrät

Der Lebenslauf stellt in den meisten Fällen weniger scheinbar „objektive Fakten“ in den Vordergrund. Er ist Ausdruck dessen, als was wir uns darstellen wollen – und zwar genau diesen Menschen und diesem Unternehmen gegenüber. Wer das übersieht, wird sich schwer tun.

„Das ist das, von dem ich meine, dass es für dich von Interesse sein könnte. Wenn ich damit richtig liege, bekomme ich von dir vielleicht das, von dem ich meine, dass du es mir bieten kannst.“

In diesem Kontakt möglichst rasch zu klären, ob die gegenseitige Einschätzung zutreffend ist, ist die zentrale Aufgabe im Bewerbungsverfahren – für beide Seiten.

Unternehmen, die das verstehen, sind in weitaus größerem Maß in der Lage, Potenziale zu erkennen, die hinter einer Bewerbung liegen. Sie finden sich in ausgetrockneten Abeitsmärkten besser zurecht und entwickeln eine vitalere Unternehmenskultur.

Bewerberinnen und Bewerber, die sich dessen bewusst sind, verhalten sich bei der Arbeitssuche professioneller, identifizieren rascher für sie tatsächlich interessante Einsatzbereiche … und ersparen sich ganz nebenbei eine Menge frustrierender „leider-nein“-Erfahrungen.

Klingt doch eigentlich recht verlockend. Oder?

© Header Photo by Tim Mossholder on Unsplash

Selbstreflexion - 7 Fehler

Selbstreflexion – 7 Fehler, auf die Sie getrost verzichten können

Ob die gegenwärtigen Herausforderungen zwischen Flüchtlings-, Währungs- und Umweltpolitik wirklich so außergewöhnlich sind, wie Manche es gerne darstellen, sei dahingestellt. Anspruchsvoll sind sie allemal – und lassen kaum jemanden wirklich kalt. Und dann gibt es ja auch noch die üblichen betrieblichen wie auch ganz persönlichen Themen, die ihren Tribut fordern.

Sich angesichts vielseitiger und komplexer Herausforderungen sinnvoll zu fokussieren statt in allgemeine Aufgeregtheit zu entgleiten, bedarf einer gehörigen Portion Selbstkompetenz. Selbstreflexion – Eine Fähigkeit, die nur schadet, wo sie fehlt.

Mentale Alarmsignale, aufwallende Emotionen oder Aktivismus – auf welchen Kanälen sich diese Zustände erhöhter Aufmerksamkeit konkret äußern ist Stilsache. Klar im Vorteil ist jedoch, wer ein gutes Gespür für die eigenen Energien entwickelt und mit seinen Reaktionsmustern einigermaßen vertraut ist.

Insofern ist jede „Krise eine Chance“ – aber eben auch eine Herausforderung, bei der man in die eine oder andere Falle tappen kann.

1. Verschlafen – Herausforderungen nicht (rechtzeitig) erkennen

Die Tage sind zum Bersten angefüllt. Deadlines, Meetings, Netzwerkkontakte. Üppige Geschäftigkeit lässt sich durchaus als Umtriebigkeit, Geschick und Fleiß darstellen. Gleichzeitig ist sie eine der größten Fallen auf dem Weg zu sich selbst.

Wer Alarmsignale rechtzeitig erkennt und darauf angemessen reagiert, erspart sich das „Ich hätte es wissen müssen“ derjenigen, die erst im Nachhinein schlauer sind.

2. Taubheit – Herausforderungen leugnen

Ja, es gibt Zeiten und Situationen, in denen man eine „heiße Kartoffel“ tunlichst nicht in die Hand nimmt. Es ist nicht immer klug, „schlafende Hunde zu wecken“ und wer hätte nicht schon am eigenen Leib erfahren: „Never touch a running system“.

Wer es sich jedoch zur Gewohnheit macht, sich auch lästigen Herausforderungen frühzeitig zu stellen, erspart sich unnötige und nicht selten dramatische Eskalationen.

3. Ohnmacht – Die süße Opferrolle

Das Thema drängt mit einiger Macht auf die Agenda und lässt sich nicht mehr leugnen – aber wie um Himmels Willen sollen Sie bloß damit umgehen? Gerade jetzt und unter diesen Umständen? – Why allways me?

Wer sich auch von großen Herausforderungen nicht entmutigen lässt, wächst mit der Aufgabe: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.

4. Ablenkung – Scheingefechte auf Nebenschauplätzen

Dass es so nicht weitergehen kann, liegt inzwischen auf der Hand. Es liegt was in der Luft – Motivation und Stimmung sind im Keller. Auf welchem Nebenschauplatz inszenieren Sie in solchen Situationen gerne Ihre Scheingefechte?

Wer der Einladung zu erschöpfendem Engagement an Nebenfronten widersteht, spart Kraft und Energie für die konstruktive Arbeit an den wirklich wichtigen Themen.

5. Überheblichkeit – Es soll keiner sagen, man hätte nicht gewarnt

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ – so lautete vor Zeiten der Slogan einer Kindersendung für Verkehrssicherheit. Doch sind die Herausforderungen des Erwachsenenlebens meist größer als gefahrlos die Straße zu überqueren …

Wer aus seinen Worten Taten werden lässt statt mit erhobenem Zeigefinger, aber untätig auf mögliche Gefahren hinzuweisen, wird Teil der Lösung und bleibt im Spiel.

6. Unbelehrbarkeit – Wer einen Hammer hat, für den ist alles ein Nagel

Erfahrung ist unbezahlbar – jedoch nur, wenn man daraus lernt. Das Problem mit vorschnellen Lösungen ist häufig, dass sie einer Geisteshaltung entstammen, die überhaupt erst zum Problem geführt hat.

Wer die Wahl von Mitteln und Wegen regelmäßig kritisch überprüft und gute Lösungen durch bessere ersetzt, erspart sich mühselige Umwege und Wiederholungen.

7. Arroganz – Sich selbst zu wichtig nehmen

Sie haben also einen brillanten Lauf zwischen beruflichen und privaten Herausforderungen hingelegt, sich dabei niemals ernsthaft verletzt – jedenfalls nicht so sehr, dass Sie nicht mehr aufzustehen imstande waren? Gratulation!

Wer sich dennoch den Respekt vor den Unwägbarkeiten des Lebens erhält, bleibt gerüstet für heftigere Stürme, die mitunter wie aus dem Nichts auftauchen.

Die hohe Kunst der Selbstreflexion

Die moderne Psychologie lässt uns wissen, dass ein erschreckend hoher Anteil unserer Handlungen weitgehend automatisierte Wiederholungen eingeübter Verhaltensmuster seien. So weit her sei es gar nicht mit unserer hoch geschätzten Selbstbestimmtheit.[nbsp]

Eine umso lohnenswertere, wenn auch nicht ganz triviale Herausforderung ist es, diesen Automatismen ein wenig auf den Zahn zu fühlen und sie dort, wo sie sich einfach als unangemessen erweisen, durch bessere Alternativen zu ersetzen.

Den eigenen Mustern auf die Schliche kommen – aber wie?

Dass man sie nicht so leicht erkennt, das haben blinde Flecken so an sich. Doch gibt es eine Reihe bewährter Ansätze, die weit mehr zu bieten haben als selbstverliebte Selfie-Nabelschau:

Unterschiedliche Impulse und Übungen zur eigenständigen Selbstreflexion, die obligatorische Selbstcoaching-App, ein begleitetes Coaching face-to-face, per Skype oder Telefon, umfassendere und längerfristige Angebote zur Selbsterfahrung bis hin zur Therapie.

Das Angebot ist vielfältig und die anbietenden Branchen bieten eine respektable Bandbreite an Erfahrungen und Expertise.

Selbstreflexion – Ein Ansatz mit Potenzial!

Vor Kurzem fand an der ETH Zürich eine höchst spannende Tagung über Leadership in Extremsituationen statt. Praxiserprobte Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Medizin, Wissenschaft, Militär und Politik berichteten über ihre Erfahrungen im Umgang mit eskalierenden Krisen und Katastrophen.

Das Resumée des Veranstalters: In diesem Bereich der Selbstreflexion liegt noch enormes Potenzial!

Allein: Den Willen, sich in die eigenen Tiefen vorzuwagen – den müssen wagemutige Seelen immer noch selbst aufbringen. Und das ist auch gut so.

© Header Photo by Defranceschi

Begeisterung - Das kleine Quäntchen Glück

Begeisterung – das kleine Quäntchen Glück

Der bekannte deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß ist längst verstorben. Aber zumindest eine seiner Erkenntnisse hat bis in die heutige Zeit überdauert: Das Wissen um die nach ihm benannte „Gauß’sche Normalverteilungs- oder Glockenkurve“.

Dahinter steckt ein im Grunde einfaches Prinzip.

Zielen Sie auf ein beliebiges Ziel – und Sie werden über kurz oder lang zu einer „Normalverteilung“ um diesen zentralen Zielpunkt kommen: Einiges wird links vorbei gehen, Einiges rechts – bei einer ausreichenden Anzahl an Versuchen wird sich eine Häufung direkt im Zielpunkt ergeben.

Begeisterung empfinden wir, wenn’s klappt … aber das Danebenhauen ist Teil des Spiels.

Seien Sie überdurchschnittlich!

Nun liegt es in der Natur des homo oeconomicus, dass er oder sie sich Ziele setzt. Wir wollen besser werden – unsere Erwartungen immer genauer treffen, vielleicht sogar übertreffen: Das Leben mit beiden Händen anpacken, es bis an und über seine Grenzen hinaus auskosten.

Das ist gut so. Oder? Was sonst hätte einen Christoph Kolumbus nach Westen, einen Marco Polo nach Osten oder einen Neil Armstrong bis auf den Mond getrieben.

Wir wollen leisten! Wir wollen diesen Kick der Zielerreichung. Allein: Es gibt Betrachtungsweisen, die uns immer zu Verlierern werden lassen.

In Schulklassen, in denen das Leistungsniveau der Lernenden zwischen „sehr gut“ und „nicht genügend“ aufgeteilt wird – und individuelle Entwicklungswege kaum berücksichtigt werden.

In Banken und Industriebetrieben mit aggressiven Erfolgsprämien – wo höchste Risiken und offensichtlich auch manifester Betrug zu den üppigsten Prämien führen.

Im Leistungssport – wo Hundertstel Sekunden zählen, allzu oft ohne Rücksicht auf Verluste.

Wir bleiben auf der steten Suche nach unserem kleinen Quäntchen Glück … aber Gewinnen geht nicht ohne Verlieren.

Da ist noch mehr drin!

Ambitionierte Persönlichkeiten aus Gegenwart und Geschichte haben sich durch herausragende Eigenschaften einen Namen gemacht: Einen atemberaubenden Glauben an das Unmögliche – verbunden mit einem Einsatz weit über jede Grenze der Vernunft und des Denkbaren hinaus. So will es zumindest die Überlieferung. Wahre Helden eben – meist männlich. Als Gott sie schuf, wollte er angeben.

Stellt sich die Frage, wie viele Persönlichkeiten über dieselben Eigenschaften verfügten – und keine neuen Welten erobert und bahnbrechenden Errungenschaften erwirkt haben, sondern unter dem Druck ihres Ehrgeizes kläglich gescheitert sind.

Stellt sich die Frage, wie viele Persönlichkeiten bahnbrechende Errungenschaften erwirkt und neue Welten erobert haben, ohne dem Klischee des erfolgshungrigen Helden zu entsprechen.

Eine spannende, datenbasierte Analyse erfolgsrelevanter Persönlichkeitsmerkmale bietet der inzwischen wohl als Klassiker zu bezeichnende „Weg zu den Besten“ von Jim Collins. Testosterongetränkte Heldenattitüden sind unter seinen sieben Management-Prinzipien für dauerhaften Unternehmenserfolg kaum zu finden.

Begeisterung ist ein Nebeneffekt, scheint mit bloßer Kraftanstrengung nicht zu korrelieren.

Sie haben besseres verdient!

Natürlich schmeichelt es, sich selbst zur Gruppe der Überdurchschnittlichen zu zählen. Und daraus ein unverrückbares Recht abzuleiten. Wir gehören zu den Erfolgreichen. Zu den Intelligenten. Zu den Guten. Zu denen, die begeistert „ihr Ding“ durchziehen – weil wir es uns wert sind.

Das weniger appetitliche Gesicht dieser Begeisterung erschließt sich, wenn wir uns diese Erlesenen und Erwählten von außen ansehen: Herrenrassen. Neureiche. Frischbekehrte.

Wenn wir selbstzufrieden über religiöse Fanatiker urteilen, allzu durchschaubare Netzwerke als „Packelei“ brandmarken oder die letztlich zum Scheitern verdammte Mechanik wirtschaftlicher Pyramidenspiele belächeln.

Wenn wir die Augen verdrehen ob der entrückten Sprache und Bilder von Menschen, die sich unbeholfen an ihre seelischen Gründe heranwagen.

Dabei ist unzweifelhaft festzustellen: All diese Menschen sind tatsächlich … begeistert!

Begeistert von einer Zugehörigkeit zu dieser oder jener kulturellen oder religiösen Gruppierung – ohne zu bedenken, dass das Leben in einem anderen Umfeld möglicherweise ganz andere Erfordernisse und Erkenntnisse mit sich bringt.

Begeistert von schnellen und scheinbar mühelosen Gewinnen – ohne zu bedenken, wann und wem das jeweilige Pokerspiel unweigerlich auf den Kopf fallen wird.

Begeistert von einer Zugehörigkeit zu einer alteingesessenen Bevölkerungsschicht – ohne zu bedenken, dass es wenig Mut erfordert, sich in den eigenen vier Wänden einzugraben.

Begeisterung – das kleine Quäntchen Glück

„Jede Organisation und jedes Unternehmen braucht eine Kultur, die auf den gemeinsamen Werten und einer gemeinsamen Strategie, inklusive Zielen und Visionen, basiert“ – bringt es mein Berufskollege, Business-Coach Michl Schwind auf den Punkt.

Wir Trainer und Coaches zielen in unseren Workshops und Seminaren darauf ab, Organisationen und Menschen (wieder) einen Zugang zur eigenen Begeisterungsfähigkeit zu verschaffen. Indem wir günstige Rahmenbedingungen und Räume schaffen, in denen eine persönliche und organisationale Kultur von Fruchtbarkeit und Ergebnisorientierung geschaffen wird.

Damit eine so verstandene Erfolgskultur wirksam und lebendig bleibt, bedarf es in der Folge einer unaufgeregten, aber ständigen Pflege im ganz normalen Arbeitsalltag – auch wenn dadurch aus einem Haflinger kein Rennpferd werden und der eine oder andere Wurf – frei nach Gauß – zwangsläufig sein Ziel verfehlen wird.

Aus einem kleinen Quäntchen Glück ein großes machen zu wollen und dabei mit der menschlichen Empfänglichkeit für hormonelle Höhenflüge zu zocken: Das jedoch ist ein Spiel mit dem Feuer.

© Header Photo by bruce mars on Unsplash

Vertrauen - Möglichkeiten und Grenzen

Ziele erreichen – Möglichkeiten und Grenzen

Unlängst erzählte ein Jugendfreund von den atemberaubend präzisen Zukunftsplänen seiner Tochter. Sie wisse ganz genau was sie wolle, bis in’s kleinste Detail … meinte er mit einem Ausdruck zwischen Stolz und Sorge: Ob das Leben denn da auch mitspiele? Und wie es dem Herzblatt damit gehe, wenn nicht?

Möglichkeiten …

Es ist mitreißend zu sehen und zu erleben, wie ein Mensch sein Leben in die Hand nimmt. Da entstehen Vorstellungen und Bilder einer erstrebenswerten Zukunft. Da hat ein Mensch den Mut und den Willen, etwas Lohnenswertes anzugehen. Begeisterung. Schon beim Zuhören sind wir versucht, mit zu bauen an diesem Traum.

„Ich habe einen Traum“ – meinte einst Martin Luther King. Und der Apple-Gründer Steve Jobs 2007 bei der Präsentation des iPhone: „Das ist ein Tag, auf den ich mich schon seit zweieinhalb Jahren gefreut habe.“

Menschen, die ein klares Bild vor sich haben, können scheinbar Unmögliches wahr werden lassen. Das grenzt an Magie.

Was macht den Unterschied zwischen den Heerscharen an Bewunderern und jenen herausragenden Persönlichkeiten, die „ihr Ding“ so klar und präzise vor Augen haben, dass sie die Menschen in ihrem Umfeld inspirieren und für ihre Ziele begeistern können?

Wie finden wir zu solchen lohnenswerten Zielen? Und was tun, wenn der Kontakt zu diesen Zielen eingeschlafen ist und die Sorge aufkeimt, ob es da überhaupt noch Lohnenswertes gebe …?

Ich habe dazu an anderer Stelle einen meiner Coaching-Tipps online gestellt, doch eins vorweg: Wenn die Nacht am Dunkelsten ist, ist die Dämmerung am Nächsten. Nicht selten kündigen sich auch persönliche „Sonnenaufgänge“ mit entsprechenden Vorboten an – und der Geburtsprozess des Neuen ist häufig schon eingeleitet, wenn die brennende Frage nach dem wirklich Lohnenswerten einmal angeklopft hat.

… und Grenzen.

Sie haben Ihr Ziel ganz klar und deutlich vor sich. Dieses eine Anliegen, in das Sie all Ihre Fähigkeiten, Ihren Einsatz und Ihre Liebe investieren. Ihre Geschäftsidee. Ihr kulturelles, soziales oder intellektuelles Anliegen.

Begeistert – und manchmal auch ein wenig wie besessen – dreht sich Ihr ganzes Leben immer mehr um dieses eine Thema: Ihr Ding. Tag für Tag, Jahr für Jahr werden Sie darin kompetenter, vertrauter, versierter. Sie haben sich das Thema wirklich zu eigen gemacht und wissen, was Sie tun.

Gleichzeitig wird die Luft immer dünner um Sie herum? Sie haben den Kontakt verloren zu langjährigen Weggefährten, dem Ehepartner vielleicht. Was Ihnen früher (auch) wichtig war, kommt immer wieder unter die Räder und … es kann Ihnen in Ihrem Umfeld niemand mehr das Wasser reichen? Weil Sie in Ihrem Bereich so gut geworden sind? Weil Sie die Spitze der Karriereleiter erreicht und sich sämtliche Verantwortlichkeiten auf Ihrem Schreibtisch angehäuft haben?

Ja. Auf dem Gipfel ist die Luft dünn. Und an der Spitze ist Einsamkeit ein bekanntes Phänomen. Vielleicht haben Sie sich mit Ihren Zielen aber auch einfach nur etwas verrannt.

Betrachten Sie es als momentane Unpässlichkeit und als hervorragende Gelegenheit, sich neu auszurichten. Bleiben Sie offen und kritikfähig. Klar können wirklich lohnenswerte Ziele auch Neid und Widerstand auslösen. Die setzen aber so gut wie immer genau dort an, wo Sie tatsächlich noch Einiges besser machen können. Wetten?

Sich auf tragfähige Ziele auszurichten ist wie eine Gratwanderung – reizvolle Aufgabe für ambitionierte Zeitgenossen mit Alpinerfahrung und ohne Höhenangst. Denn zwischen klarer Fokussierung auf das Ziel und Sturheit liegt häufig nur ein schmaler Grat.

© Header Photo by Ian Cylkowski on Unsplash

Vertrauen - zwei starke überhängende Felsen in der Wüste

Vertrauen und andere Kleinigkeiten

Think pink ist passé. Sorgen sind der neueste Schrei, Existenzängste in allen Formen und Farben sind in: Die Sicherung der europäischen Grenzen. Sogenannter „wohlerworbener Rechte“. Unserer Sparguthaben, Pensionen, geschickt erwirtschafteter Renditen und verlorener Vorteile aus Währungsspekulationen. Exzellente Unternehmen wissen die Gunst der Stunde zu nutzen und investieren. In Unternehmenskultur. In Kundennutzen. In Vertrauen.

Geschichte ist ein spannendes Metier. Auch wenn der Blick zurück auf längst Vergangenes durch die Jahrhunderte getrübt und die Betrachtungsweisen verzerrt sein mögen. Sie ist das, was uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Was für erhebende Meilensteine der Entwicklung müssen das gewesen sein: Die Erfindung des Ackerbaus. Des Rades. Der Schrift. Der Kultur. Des Geldes auch.

Mit dem Geld ist das so eine Sache. Die Phönizier sollen es erfunden haben – ein tüchtiges Händlervolk, das vor zweieinhalb Tausend Jahren im Gebiet des heutigen Libanon und Syrien lebte. Kluge Leute.

Vertrauen

Ich gebe dir im Winter von meinen frisch vergorenen Trauben. Dafür bekomme ich im nächsten Sommer von deinem Weizen. Einverstanden? – Klar. Nimm diese geprägten Münzen als Beleg.

So oder so ähnlich muss es gewesen sein, als sie das Geld erfunden haben. In Metall geprägtes Vertrauen sozusagen.

Die Phönizier haben also das Geld erfunden. Weshalb aber nur so wenig?

Es gibt keine dummen Fragen. Vertrauen in verlässliche wirtschaftliche Beziehungen zu gegenseitigem Nutzen – davon können wir durchaus noch mehr gebrauchen.

Unternehmenskultur

Laut Definition des Gabler Wirtschaftslexikons ist ein Unternehmen „eine wirtschaftlich-finanzielle und rechtliche Einheit, für die das erwerbswirtschaftliche Prinzip konstituierend ist.“

Da tun sich also Menschen mit dem Ziel zusammen, Gewinne zu erwirtschaften. Geld zu verdienen, verlässliche wirtschaftliche Vertrauensbeziehungen zu etablieren.

Volkswagen zum Beispiel. Ein Vorzeigeunternehmen. Qualität, Verlässlichkeit, Kundennutzen. Auch ich fahre einen. Aber irgendetwas ist da schief gelaufen. Und nicht nur bei Volkswagen.

Das Erzeugen von Kundennutzen und das Erwirtschaften von Gewinnen schließt sich nicht aus. Im Gegenteil. Langfristig fährt Gewinne ein wer für die Kundschaft einen höheren Nutzen erzeugt. Langfristig gewinnt, wer über den Tellerrand kurzfristiger Vorgaben hinaus auch morgen noch in der Lage ist zu liefern. Verlässlich eben.

Erfolg. Zu welchem Preis?

Gesunde, stabile und langfristig ertragreiche Unternehmen bauen auf Vertrauen und Verlässlichkeit auf. Auf Ambitionen auch. Auf die Bereitschaft, sich ordentlich hinaus zu lehnen und Neues zu wagen: Das beste Fundament dafür ist ein aufrichtiges und faires Miteinander.

Exzellente Unternehmen machen sich selbst zum Thema: Wie sind wir unterwegs? Wie tun wir, was wir tun? Wie können wir uns bei unserem Tun ständig weiter entwickeln und mit sich verändernden Rahmenbedingungen sinnvoll umgehen? – Die Beschäftigung mit Fragen wie diesen ist längst nicht mehr Luxus, lang schon daily business für die echten Top-Performer, die auch morgen noch im Markt vertreten sein wollen.

Der Preis dafür ist in erster Linie die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Nicht nur in der Führungsetage. Und nicht erst nach dem dritten Aufenthalt in der Burnout-Klinik.

Der Preis des Erfolgs ist die Bereitschaft zur konsequenten Orientierung am Kundennutzen. Die Bereitschaft, sich verändernde Rahmenbedingungen zu beachten und darauf angemessen zu reagieren:

Fit zu bleiben für die Herausforderung, die morgen auf uns zu kommt, von der wir heute noch nichts ahnen. Auf die eigene Lösungskompetenz, den Mut und Ideenreichtum der involvierten Personen und deren tatkräftige Leistungsbereitschaft zu vertrauen ist der Schlüssel dazu.

Was das kostet? Einen Bruchteil aller Kosten für Kollateralschäden à la Dieselgate nur.

Mit Sicherheit.

© Header Photo by Azzedine Rouichi on Unsplash