Urlaub. Brachzeit für die Seele

Urlaub. Brachzeit für die Seele

Endlich Urlaub: Entspannen, Abschalten … Erholung und Abenteuer – es ist wieder einmal höchste Zeit dafür!

Wie nutzen Sie diese wertvollen Wochen im Jahr?

Wenn auch bei Ihnen die Liste der Ideen länger als die verfügbare Zeit ist, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Urlaub. Brachzeit für die Seele

Hand auf’s Herz: Bei wem hat das Thema Urlaub nicht schon einmal zu heftigen Konflikten in der Familie oder im Freundeskreis geführt?

Hab ich’s mir doch gedacht: niemand.
Bei mir ist es übrigens genauso.

Und es ist ja auch völlig verständlich: Im Lauf des ganzen Jahres sammeln sich Ideen, Vorhaben, Projekte an … die endlich einmal abgearbeitet werden wollen: Die neue Teichanlage im Garten, die Besteigung dieses einen besonderen Berges, der längst überfällige Ausflug in den Zoo oder ins Museum … Verwandtenbesuche, die erholsamen Tage am Wasser …

Ein Schelm, wer dabei an Stress denkt.
Aber wie kann sie denn wirklich gelingen, die erholsame Zeit?

Coaching-Tipps: Urlaub

Klar gibt es kein Patentrezept. Aber ein paar „typische“ Fallen, denen man getrost aus dem Weg gehen kann:

Tipp 1: Unterschiedliche Vorstellungen

Sie freuen sich natürlich schon lange auf diese Zeit. Ein paar Tage, in denen Ihnen keine geschäftlichen Aufgaben einen Strich durch die Rechnung machen und Sie Ihre Zeit endlich nach eigenem Gutdünken verwenden können. Denkste.

Da ist die Partnerin oder der Partner. Da sind Kinder, Verwandte … und vielleicht auch noch die eine oder andere Arbeit in Haus und Garten, die schon lange angegangen werden sollte.

Achten Sie rechtzeitig auf eine gute Mischung. Damit stellen Sie sicher, dass niemand zu kurz kommt und der Urlaub wertvolle Erlebnisse für Alle mit sich bringt. 

Tipp 2: Das geht sich locker auch noch aus

Wenn wir schon mal dabei sind, machen wir’s doch gleich konkret:

Eine Familie bestehend aus zwei Elternteilen und sagen wir zwei Kinder. Die Verwandtschaft lassen wir vereinfachender Weise mal weg – das macht nach Adam Riese: 4 Personen.

Jede/r hat so seine Wünsche. Sagen wir: zumindest 3 Dinge, die im Urlaub unbedingt geschehen sollten.

3*4=12. Wie viele Urlaubstage hatten Sie gleich nochmal?

Haben Sie den Mut, auch einmal „nein“ zu sagen. Den vollen Terminkalender haben wir das ganze Jahr über: Umso wertvoller, wenn’s im Urlaub einmal etwas lockerer angegangen werden kann und nicht schon wieder ein Ereignis das andere jagt.

Tipp 3: Rein in’s Vergnügen

Der letzte Arbeitstag steht bevor und alle Zeichen stehen auf … Sommer, Sonne, Freizeit.

Welche Vorstellungen auch immer Sie mit einem traumhaften Urlaub verbinden: Ein guter Abschluss der noch zu erledigenden Dinge vor Urlaubsantritt ist die beste Voraussetzungen dafür, dass der Urlaub dann auch gelingt und bewahrt Sie vor bösen Überraschungen nach Ihrer Rückkehr.

Der Teufel schläft nicht. Erledigen Sie Ihre Aufgaben vor Urlaubsantritt so, dass Ihnen während Ihrer wohlverdienten Auszeit möglichst nix anbrennt. 

Tipp 4: Das liebe Handy

„Du, ich geh da grad mal rüber an den Strand – Ihr könnt ja inzwischen ein Eis essen. Wir rufen uns dann später zusammen, bevor wir auf’s Schiff gehen“

Natürlich ist es praktisch, sich jederzeit kurz telefonisch erreichen zu können. Und die Infos und die Apps und Google und sowieso.

Was wir dabei verlernen ist das ganz auf sich selbst gestellt sein. Und gerade das könnte Ihren Urlaub zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen – ganz unabhängig davon, dass mit dem Handy in der Regel auch die eMails und die diversen Anrufen hereinkommen, die mit Urlaub so rein gar nichts zu tun haben.

Lassen Sie Ihr Mobiltelefon beiseite. Ausgeschaltet. Flugmodus. Batterie raus. Verstaut in der hintersten Ecke Ihres Schreibtisches. Die Welt wird die paar Tage ohne Sie auskommen. Und Ihnen wird diese wirkliche Auszeit gut tun – mit Sicherheit.

Tipp 5: Der K(r)ampf mit dem Urlaubsbudget

Also ehrlich gesagt: Mir macht es keinen Spaß, im Urlaub auf’s Geld achten zu müssen. Und Ihnen?

Gerade die Urlaubszeit verleitet uns dazu, die Dinge mal nicht so genau zu nehmen. 5e grad sein lassen und sich mal was gönnen, das man sich sonst nicht gönnt.

Und wenn Sie Ihren Urlaub gerne dort verbringen, wo viele Andere das auch tun, können Sie sicher sein: Das wird richtig schön teuer.

Legen Sie vorab ein für Sie passendes Urlaubsbudget fest. Sorgen Sie für entsprechende Highlights … und dafür, dass die Kohle nicht für unsinnige Dinge draufgeht. 

Tipp 6: Alles hat ein Ende

So wie alles hat auch die schönste Zeit im Jahr ein Ende. Gut erholt und voller Tatendrang freuen wir uns wieder auf die vielfältigen Aufgaben, vor die unser Beruf uns stellt. Oder?

Natürlich wollen wir den Urlaub bis zur letzten Stunde auskosten. Aber ist es tatsächlich sinnvoll, ihn bis zur letzten Minute im Urlaubsdomizil zu verbringen?

Wenn Sie von einer Urlaubsreise zurückkommen, gönnen Sie sich zumindest ein, zwei Tage Puffer, bevor Sie wieder in den Arbeitsalltag eintreten. 

Tipp 7: Die ersten Tage danach

„Hallo, wieder da? Wie war’s denn im Urlaub?“ – Viel Zeit bleibt in der Regel nicht, und die Alltagsroutine hat uns wieder voll im Griff.

Gut so, oder?
Schließlich lieben wir unseren Beruf.

Trotzdem macht es meist Sinn, die Maschinen etwas vorsichtig wieder hochzufahren. So können Sie Ihre positiven Urlaubsbilder länger und stärker präsent halten.

Achten Sie darauf, dass die für Sie besonders positiven Urlaubserlebnisse nicht allzu rasch in der Alltagshektik untergehen. Reservieren Sie sich ein paar Stunden für Ihr Fotoalbum, schmücken Sie Ihren Lebens- oder Arbeitsbereich mit dem einen oder anderen Mitbringsel.

***

Eine der für mich bemerkenswertesten Erfindungen der Menschheit war die Entdeckung, dass einem Acker letztlich mehr Frucht erwächst, wenn ihm in regelmäßigen Abständen eine Brachzeit gegönnt wird.

Besonders für Menschen, die sich während des Arbeitsjahres am und über ihrem individuellen Leistungslimit bewegen kann die Urlaubszeit zu einer wertvollen Brachzeit für die Seele werden.

© Header Photo by Defranceschi

Schwere Eisenkette

Genug ist genug. Freiräume schaffen!

Ein bisschen was geht immer. Nur noch dieses eine Mal. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Liste der Allgemeinplätze, mit denn wir uns zu immer mehr und mehr antreiben ließe sich beliebig verlängern. Wozu eigentlich?

Wenn Sie auch zu jenen Menschen gehören, die sich die Latte üblicherweise  besonders hoch legen … jetzt aber merken, „genug ist genug“: dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Genug ist genug. Freiräume schaffen!

Unlängst in einem Coaching. Die ambitionierte Führungskraft eines großen Dienstleistungsunternehmens gerät an Grenzen: Stimmungsschwankungen, körperliche Reaktionen. Belastungssymptome bis zuletzt … Krankenhausaufenthalt.

„So etwas hat es bei mir in den ganzen letzten 20 Jahren nicht gegeben.“

Jetzt aber gibt’s das.

Auf der Suche nach einem vernünftigen Vorgehen nach Wiederherstellung der Gesundheit stoßen wir rasch auf ein paar pikante Herausforderungen:

  • Während des Ausfalls Liegengebliebenes muss aufgearbeitet werden.
  • Der Terminkalender ist  für die nächsten 3-6 Monate … pumpvoll.
  • Es ist höchst an der Zeit, etwas für die Gesundheit zu tun!
  • Und in Zukunft nehme ich mir wirklich endlich  mehr Zeit für mich persönlich!

Wie bitte soll das alles gehen!?

Coaching Tipp: Genug ist genug. Freiräume schaffen!

Wenn die eigene Kraft über Jahre am Leistungslimit gefordert war: Was genau hilft, dass wir uns nicht auch diesmal … heillos überfordern?

Rostige Ketten abzulegen, die uns an zerstörerische Gewohnheiten binden, ist nicht einfach. Aber es funktioniert.

So schaffen Sie sich Ihre Freiräume!

Mit den Instrumenten des Zeit- und Selbstmanagements sind Sie sicher vertraut. Sonst wäre es Ihnen ja auch nicht gelungen, derart Vieles in Ihrem beruflichen und privaten Leben unterzubringen.

Aber kennen Sie auch die „not-to-do – Liste“?

Natürlich können wir nicht unbedingt damit rechnen, dass wir einen wirklich relevanten Teil unserer bereits eingegangenen Verpflichtungen loswerden. Und nach meiner Erfahrung ist das auch gar nicht wirklich erforderlich.

Es kommt vielmehr darauf an, die eigenen Energien besser einschätzen zu lernen. Den Kontakt mit dem eigenen Erleben und den körperlichen Grenzen wieder herzustellen … und zu lernen, wieder einmal „Nein“ zu sagen. In erster Linie zu der eigenen Neigung, sich für alles und jede/n verantwortlich zu fühlen.

Die „not-to-do – Liste“

Die „not-to-do – Liste“ erstellen Sie für sich in einer günstigen Dosierung: Setzen Sie sich ein konkretes, SMARTes Ziel.

Wie oft tun Sie etwas nicht, das Sie normalerweise „mit links“ noch in Ihren vollgestopften Arbeitstag packen? Täglich 3 derartige Erfolgserlebnisse könnten schon mal ein Anfang sein. – Probieren Sie’s aus!

Nutzen Sie diese Minuten für sich. Nehmen Sie Ihren Pulsschlag bewusst wahr, atmen Sie tief durch oder beobachten Sie die Wolken vor Ihrem Bürofenster.

Sie verschaffen sich damit wieder eine konkrete Erfahrung von Freiraum. Denn in den paar Minuten, die Sie sich auf diese Weise täglich freischaufeln, kann sich ein neues Selbstempfinden einstellen.

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Der Schatten einer Person

Schattenseiten – Verborgene Potenziale

Wer spricht schon gern von ihnen: Von diesen kleinen, lästigen Eigenschaften, die wir partout nicht los werden und die uns immer wieder in den Rücken fallen, die Suppe versalzen, einen Strich durch die Rechnung machen.

Haben auch Sie manchmal die Nase voll davon und würden sich wünschen e n d l i c h einen besseren Umgang mit ihren kleinen und größeren Schwächen zu finden?

Wenn Sie den Kampf gegen ihre vermeintlichen Defizite leid sind und endlich wieder einmal frei von Versagensgefühlen atmen möchten, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Schattenseiten –  Verborgene Potenziale

Als junger Mann hatte ich einige Jahre lang in der therapeutischen Begleitung von Suchtkranken gearbeitet. Das ist mittlerweile schon über 20 Jahre her, aber damals ist mir etwas aufgefallen, das ich nicht mehr vergessen sollte:

Da waren diese vom Leben gezeichneten Menschen – meist mit einem ganzen Haufen Problemen beladen. Gleichzeitig kamen im Lauf der Zeit bei jeder und jedem deutlich Fähigkeiten zum Vorschein, die mit Sicherheit ein tragfähiges Fundament für ein suchtfreies Leben abgeben konnten.

Und nicht selten waren diese Fähigkeiten in der harten Schule der Drogenszene erlernt worden: Geschicklichkeit. Die Fähigkeit, eigene Ziele auch gegen Widerstand zu erreichen. Das Gespür für Unausgesprochenes. Einige hatten darin geradezu eine Meisterschaft entwickelt.

10 Jahre später machte ich eine ähnliche Erfahrung in ganz anderem Kontext. In der honorigen Runde international tätiger Berater- und Trainerpersönlichkeiten stellte eine Dame sich und ihre Dienstleistungen vor – begleitet von einem lapidaren Satz.

„Ungeduld ist meine größte Stärke.“

 Wieder die Begegnung mit etwas, das auf den ersten Blick als fatales Problem verstanden werden könnte.

Ungeduld. Oder Schüchternheit. Verträumtheit, der Hang zur Selbstdarstellung, fehlende Schlagfertigkeit, (Über)Engagement, Lethargie oder wie auch immer unsere „Problemzonen“ heißen.

Coaching Tipp: Schattenseiten – Verborgene Potenziale

Haben Sie Ihren ganz persönlichen „wunden Punkt“ bereits identifiziert? Jene Eigenschaft, über die Sie gerne einmal stolpern und die Sie so gar nicht an sich mögen?

Gut. Dann kann’s losgehen.

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie in die Mitte diese eine Eigenart, die Ihnen schon so viele Probleme bereitet hat. Ungeduld zum Beispiel.

Teilen Sie den Rest des Blattes in Quadranten: Zwei Spalten, zwei Zeilen.

Die erste Zeile ist für das reserviert, was Sie ganz persönlich betrifft – Ihre persönliche Sicht auf die Dinge: Ganz ohne „Rücksicht“ auf Andere.

Die zweite Zeile ist für das reserviert, was Ihr Umfeld betrifft – beruflich oder privat: Hier also finden dann der Franz und die Hilde, der Chef, die Mama und die Kids ihren Platz.

In die erste Spalte kommt alles, was Sie schon zur Genüge kennen: All die Kritik, die Vorwürfe und die Selbstvorwürfe, die Sie im Lauf des Lebens zum entsprechenden Thema schon eingefahren haben.

Coaching-Tipp: Schattenseiten - Verborgene Potenziale

© Defranceschi

Beginnen Sie mal mit dieser linken Spalte – egal ob von oben oder von unten: Schreiben Sie sich stichwortartig alles das von der Leber, womit Sie sich in dem Zusammenhang immer wieder Probleme schaffen:

  • Ihr Ärger im Wartezimmer bei einem Termin, bei dem’s Verzögerungen gibt (links oben)
  • Die Unruhe, die Sie im Straßenverkehr verspüren, wenn’s staut (links oben)
  • Der Unmut Ihres Kollegen, der sich über Ihr Drängen beklagt (links unten)
  • Die Kollegin, die „mauert“, weil sie mit Ihnen nicht klar kommt (links unten)

Ja: All das ist vielleicht nicht gerade Ihre Schokoladenseite, aber warten Sie – noch sind wir nicht am Ende.

Die rechte Spalte – die hat’s in sich: Hier schreiben Sie in den oberen Quadranten alles das hinein, was Ihnen durch diese Eigenschaft bisher möglich war – die Vorteile, die Ihnen (rechts oben) und Ihrem Umfeld (rechts unten) daraus erwachsen sind:

  • Das schnelle Erreichen eines besonderen Ziels (rechts oben)
  • Ihre Position auf der Karriereleiter (rechts oben)
  • Dieser Großauftrag, den die Abteilung Ihrem beherzten Auftreten verdankte (recht unten)
  • Der ungeplante Familienurlaub, als Sie die sich plötzlich bietende Chance rechtzeitig erkannten – und nutzten (rechts unten)

So entdecken sie verborgene Potenziale

Manchmal genügt es, die Dinge mit etwas mehr Distanz anzusehen. Und Vor- und Nachteile einer bestimmten Verhaltensweise treten neutraler zu Tage.

Wenn Sie das nächste Mal mit den anstrengenderen Anteilen Ihrer Persönlichkeit konfrontiert sind, fällt Ihnen mit Sicherheit auch ein, welche Ihrer Vorzüge damit verbunden sind.

Der Rest? Ist eine Frage der Dosierung.

© Header Photo by Defranceschi

Portrait: Lenz Günter - Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit – Weg aus der Krise?

Nachhaltigkeit. Seit einigen Jahren geistert dieses Konzept nicht nur durch die Köpfe von Vordenkern, auch aus dem Sprachgebrauch vieler Marketingabteilungen ist diese Vokabel kaum mehr wegzudenken – und die damit verbundenen Inhalte werden ausgefeilter. „green economy“ – „blue economy“ – „Gemeinwohlökonomie“. Was kommt als Nächstes? Und: Was steckt wirklich dahinter?

Letztlich geht es um die Sinnfrage: Was ist der Sinn des Wirtschaftens? Die verschiedenen Ansätze für Nachhaltigkeit beantworten diese Frage analog zu den Verfassungen verschiedener Länder, welche Sinn und Zweck jeder wirtschaftlichen Tätigkeit in der Erhöhung des Gemeinwohls sehen. D.h. das – legitime – Gewinnstreben soll im Dienste des Gemeinwohls stehen, es hat keinen Eigenwert. Alternative Entwürfe wie z.B. die Gemeinwohlökonomie nehmen diese Verfassungen (und viele Wirtschaftslehrbücher) einfach ernst, und setzen diesen Anspruch nur konsequent um. Dazu kommt, dass Entwicklungen wie eine immer größer werdende „Schere“ bei der Einkommensverteilung, Klimawandel, Ressourcenknappheit etc. neue Wege des Wirtschaftens zwingend erfordern – der Planet und die soziale Ausgewogenheit setzen uns hier einfach Grenzen. In einer Gemeinwohlwirtschaft sind die 3 Pfeiler Prosperity (wirtschaftlicher Erfolg), People (sinnvolle und sichere Arbeitsplätze für Mitarbeitende), und Planet (Umweltschutz und Ressourcenschonung) gleichwertige Zieldimensionen. Diese müssen sich letztlich im Businessplan widerspiegeln!

Das sind ambitionierte, möglicherweise zukunftsweisende Ziele. Was kommt auf die Unternehmen zu, wenn Sie sich hier engagieren und weiter entwickelt wollen?

Die Unternehmen erwartet ein Motivationsschub bei vielen Mitarbeitenden! Denn gerade junge und gut ausgebildete Mitarbeitende „springen“ auf diese Thematik und Zielsetzung sehr oft begeistert auf. Am Anfang eines „Projekts für mehr Nachhaltigkeit“ steht immer die Frage nach dem Ist-Stand. Zur Erhebung dieses Ist-Zustandes gibt es viele bewährte Instrumente. Dann geht es darum, aus der Vielzahl von möglichen Maßnahmen, um ein Unternehmen nachhaltiger (in allen drei Dimensionen!) zu gestalten, die aktuell passenden auszuwählen. Bei dem einen Unternehmen kann das die Erstellung eines „Berichts zur Nachhaltigkeit“ sein, bei einem anderen die Entwicklung neuer und nachhaltiger Produkte, bei einem dritten wird die Supply Chain kritisch hinsichtlich problematischen Umwelt-und Sozialauswirkungen überprüft, z.B. mit dem cradle-to-cradle-Ansatz. In der Regel entwickelt man zuerst eine „Politik zur Nachhaltigkeit“. Auf dieser baut dann eine „Strategie zur Nachhaltigkeit“ auf, welche aber – und das ist sehr wichtig! – in die „konventionelle“ Strategie und in den Businessplan eingebaut werden muss. Nachhaltigkeit bleibt dann kein Schlagwort oder wird für das „green washing“ verwendet, sondern ist integrierter Bestandteil des betrieblichen Alltages, und wird dadurch auch für alle Interessensgruppen positiv wirksam.

Meiner Erfahrung nach ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor inwieweit es gelingt, nicht nur die Geschäftsleitung sondern auch die konkreten Mitarbeitenden von einem derartigen Ansatz zu überzeugen. Wie reagieren denn die Belegschaften auf ein derartiges Konzept?

Zwei konkrete Praxisbeispiele: Eine kleine Regionalbank entschließt sich, eine Gemeinwohlbilanz (auf der Basis der Gemeinwohlökonomie) zu erstellen. 100% der Mitarbeiter beteiligen sich – freiwillig – an diesem Prozess! Ein anderes Beispiel, auch aus dem Bankensektor: Eine viel größere Bank hat dasselbe Ziel – und spontan melden sich freiwillig über 10% der Mitarbeitenden zur Mitarbeit in Projektgruppen! Wie schon erwähnt, müssen gerade junge bzw. gut ausgebildete Mitarbeitende oft gar nicht überzeugt – schon gar nicht überredet – werden. Ich habe eher den Eindruck, dass sie geradezu auf eine solche Initiative, welche ihre sozialen und ökologischen Werte anspricht, warten! Natürlich kann das nicht verallgemeinert werden. Auf jeden Fall haben Unternehmen, die solche Werte aktiv in ihre Ziele und Prozesse integrieren, am Arbeitsmarkt (wo es zunehmend einen „war for talents“ gibt) deutlich bessere Chancen, qualifizierte Mitarbeitende zu rekrutieren – und langfristig an sich zu binden.

Nun stellen Unternehmen nicht zuletzt die Frage nach dem konkreten Nutzen. Wie sieht die Kosten-Nutzen-Betrachtung einer Investition in diesem Bereich aus?

Den Nutzen hinsichtlich Gewinnung von motivierten und kompetenten Mitarbeitenden habe ich schon erwähnt, und dieser ist in seiner Bedeutung kaum zu übertreiben. Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen steigt natürlich enorm, wenn die Produkte und Dienstleistungen den Ansprüchen von kritischen Konsumenten immer besser genügen – Stichworte Energiereduktion, Recyclingmöglichkeit, regionale Herstellung, unschädliche und gesunde Produkte, „saubere“ Produktion etc. Dass Unternehmen, die nachhaltig agieren, mittel- bis langfristig auch wirtschaftlich erfolgreicher sind, ist vielfach nachgewiesen. Sogar die Rendite von „grünen“ und Ethikfonds an den Kapitalmärkten ist erwiesenermaßen höher als die von konventionellen Fonds! Viele Ressourcen werden immer knapper, und damit auch teurer. Unternehmen jedoch, die das gezielt in ihrer Strategie berücksichtigen, können aus dieser an und für sich schwierigen Situation sogar Vorteile erzielen.

Gibt es bereits Erfahrungswerte, für welche Unternehmen es sich besonders lohnt, verstärkt gemeinwohlrelevante Aspekte in die Unternehmensstrategie einzubauen?

Unternehmen aus Branchen, die immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehen, wie die erwähnten Banken, aber auch Unternehmen mit hohem Ressourcenverbrauch oder problematischen Umweltauswirkungen, haben mit dem Ausbau von Aspekten der Nachhaltigkeit sehr viel für ihre Zukunftsfähigkeit getan. Unsere Kunden, die uns mit der Begleitung von Projekten für mehr Nachhaltigkeit beauftragen, kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Zu erwähnen sind besonders Textil- und Sportartikelhersteller, weil deren Produktion sehr oft im fernen Osten ist – mit der damit oft verbundenen, und hinreichend bekannten Problematik von schlechten Arbeits- und Umweltbedingungen. Aber auch Tourismusbetriebe, die sich neu aufstellen wollen, und Regionalität (ein immer wichtiger werdendes Nachhaltigkeitsthema!) verstärkt „leben“ wollen, profitieren von einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Mittlerweile gibt es auch erste Gemeinden, welche die Chancen erkennen, den Ansatz z.B. der Gemeinwohlökonomie umzusetzen.

Nun haben wir bereits festgestellt, dass Nachhaltigkeit – zumindest als Schlagwort – nicht nur die bekannten „early birds“ anspricht, also die mehr oder weniger bekannten Vorreiter der jeweiligen Branche. Andererseits gibt es aber auch die Unternehmen, die mit dem Argument, das sei „doch auch bloss ein Marketing-Trick“ vor der Thematik verschließen. Wie kann hier argumentiert werden?

Es stimmt, dass leider immer noch zu viele Unternehmen Nachhaltigkeit für ihr „green washing“, oder als reinen Marketinggag verwenden. Aber da ist ein Wandel festzustellen. Die Entwicklungen seitens der Konsumenten bzw. Mitarbeitenden habe ich schon erwähnt. Aber auch die Medien und die Politik werden immer mehr für die Thematik sensibilisiert. So müssen große Unternehmen in der EU schon in Kürze verpflichtend ein Energiemanagementsystem einführen, und einen Bericht zur Nachhaltigkeit erstellen. Das wird dazu führen, dass immer mehr Firmen sensibilisiert werden, und die Chancen von Gemeinwohlökonomie, CSR, Strategien für mehr Nachhaltigkeit etc. nutzen werden. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagte Gorbatschow. Das wert- und nachhaltigkeitsorientierte „Marketing 3.0“ des Marketing-Gurus Phil Kotler kann helfen, dass das nicht geschieht….

Günter Lenz ist seit 1997 selbstständiger Unternehmensberater mit ganzheitlicher Ausrichtung. Seine Schwerpunkte sind Organisationsentwicklung, Innovation sowie Qualitäts- und Prozessmanagement. Als zertifizierter Gemeinwohlökonomie-Berater begleitet er Unternehmen dabei, wirtschaftlichen Erfolg, soziale Verantwortung, und ökologische Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Seit seiner frühen Jugend ist er in Umwelt-, Bildungs- und zivilgesellschaftlichen Initiativen engagiert, z.B. im Bereich der Komplementärwährungen. Diesen Impuls bringt er seit 2013 in das Terra Institute ein, um systemischen Wandel und zukunftsfähiges Wirtschaften zu stärken. Das Terra Institute (www.terra-institute.eu) ist ein Kompetenzzentrum für nachhaltiges Wirtschaften.

Website: www.lenz-consult.com

© Photo by Günter Lenz

Was tun, damit Sie über Widrigkeiten wieder herzhaft lachen können? Bild: Lachen, (c) Rainer Sturm / pixelio.de

Konflikte. Vom Umgang mit Widrigem

Rien ne va plus heißt es beim Roulette: Nichts geht mehr. Das Spiel ist gelaufen, der Käse gegessen – es ist was es ist.

Ähnlich, wenn Konflikte eskalieren: Die Post geht ab … und wir sind nur noch Beifahrer. Muss das so sein?

Wenn Sie sich auch manchmal fragen, was Sie tun können, damit Sie über Widrigkeiten wieder lachen können, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Konflikte. Vom Umgang mit Widrigem

Einer meiner frühen Kunden – eine begnadete Unternehmer-Persönlichkeit – brachte es einmal so auf den Punkt:

„Ein Unternehmer braucht zwei Eigenschaften: Er muss besessen sein von seiner Idee – und belehrbar.“

Nun sind wir zwar nicht alle im engeren Sinne unternehmerisch tätig doch scheint es sich dabei um zwei erwägenswerte Eigenschaften zu handeln: Die begeisterte Identifikation mit dem eigenen Anliegen – und die ergänzende Offenheit für die Reaktion Anderer.

Wenn eins davon unterentwickelt ist … dann wird’s – früher oder später – brenzlig.

Coaching Tipp: Konflikte auflösen

Sie haben beim Lesen dieses Textes vermutlich längst diesen einen Konflikt im Fokus, der Sie immer wieder einholt. Diese Auseinandersetzung, die in Ihrem Leben immer wieder Thema wird und wie ein trotziges Kind scheinbar keine Ruhe geben will.

Gehen wir’s an?

Nennen wir die Dinge beim Namen. Bringen Sie das Thema für sich exakt auf den Punkt. Was genau ist es, das Sie in diesen Situationen auf die Palme bringt? Immer wieder?

Als Anschaungsbeispiel eignet sich ein Klassiker: Sie fahren im Auto und Ihr Beifahrer (m/w) weiß wieder einmal alles besser. Es ist grün.

Spüren Sie die Reaktion? Bemerken Sie, wie Ihr Blut schön langsam zu köcheln beginnt?

Stop! Coaching Tipp: Konflikte auflösen. Vom Umgang mit WidrigemStop. Zuerst einmal verschaffen Sie sich jetzt wieder etwas Distanz zur Emotion.

Eine gute Möglichkeit dazu habe ich an anderer Stelle schon einmal ausführlich beschrieben.

So lösen Sie wiederkehrende Konflikte auf.

Finden Sie für sich in der für Sie typischen Konfliktsituation genau jenen Punkt, an dem Sie den konstruktiven Kontakt zu Ihrem Gegenüber gerade noch halten können – dabei geht’s meist um Millimeter.

Spulen Sie ihren gedanklichen Videorekorder genau zu jenem Bild, das Sie als Auslöser für die typische Konflikteskalation empfinden.

Im Anschauungsbeispiel: Sie fahren auf die Ampel zu. Und die schaltet gerade auf rot. Die Konfliktmaschine beginnt möglicherweise schon in diesem Augenblick leise anzulaufen.

Was genau kommt in dieser Situation zu kurz? Sind Sie so sehr von Ihrer eigenen Perspektive besessen, dass Sie den Blickwinkel Ihres Beifahrers nicht mehr wahrnehmen können? Oder sind Sie so sehr darauf fixiert, ihm oder ihr zu gefallen, dass Sie ihre eigene Perspektive aus den Augen verlieren?

Wenn Sie darauf die Antwort und eine der Situation angemessenereAmpel. Coaching Tipp: Konflikte. Vom Umgang mit Widrigem „Feineinstellung“ gefunden haben, dann spielen Sie Ihren gedanklichen Videorekorder so oft mit diesem neuen Drehbuch ab, bis Sie auf das, was Sie da in diesem Gedankenexperiment erfahren, körperlich positiv reagieren.

Wichtig dabei ist, dass Sie nur Ihren eigenen Part im Drehbuch umschreiben – denn auf das Verhalten Ihres Gegenübers haben Sie in den allermeisten Fällen so gut wie keinen Einfluss.

Haben Sie für sich „das rechte Maß“ zwischen eigener Perspektive und Ergänzung durch Ihr Gegenüber gefunden? Ein tiefes Aufatmen ist schon mal ein gutes körperliches Zeichen, dass die Richtung stimmt.

Und wenn Sie das, was Ihnen dabei auffällt, mit Ihrem Gegenüber auch verbal ansprechen können, dann haben Sie mit Sicherheit einen guten Schritt getan.

Ach übrigens. In letzter Zeit sehe ich bei roten Ampeln immer Dein lachendes Gesicht. Ich stell mir dann vor, wie unsere rot glühenden Köpfe langsam abkühlen. Und wenn wir uns dann wieder grün sind, können wir beschwingt weiterfahren. 😉

 

© Header Photo by Rainer Sturm / pixelio.de