Leuchtschrift "change"

Veränderung – Mensch, trau dich!

„Unsere Führungskräfte sind Menschen, die sich über Ihre Arbeit außerordentlich viele Gedanken machen“ – meinte unlängst der Geschäftsbereichsleiter eines Oberösterreichischen Industriebetriebs am Rande einer Teamklausur.

Sie stehen tagein, tagaus in der Brandung zwischen internen und externen Anforderungen und haben laufend widersprüchliche Interessen und Ziele unter einen Hut zu bringen. Und dann kommt in den allermeisten Fällen noch das ganz normale Tagesgeschäft dazu …

Doch wann bleibt dann wirklich noch Zeit, sich über die eigene Arbeit „Gedanken“ zu machen? Und sind „Gedanken“ das geeignete Instrument, das sie wesentlich weiter bringt?

Loslassen …

Von Martin Luther heißt es, zentrale Erkenntnisse seines Lebenswerkes seien ihm auf der Toilette zuteil geworden – und nicht am Schreibtisch seiner Studierstube.

Ähnliches berichten Musikerinnen und Musiker, die nach langem und intensivem Üben eine Pause einlegen. Schon nach einer kurzen Unterbrechung liegt das Instrument wieder ganz neu und ganz anders in der Hand und die Takte, an denen zuvor so hart gearbeitet wurde, fließen plötzlich wie von selbst aus den Fingern.

Tänzerinnen kennen das auch. Handwerker, Künstlerinnen, Autoren. Und Menschen, die von sich sagen, sie seien in einer besonders brenzligen Situation noch einmal „mit einem blauen Auge davongekommen“. Sterbende auch, die sich nichts mehr vormachen und ihre Prioritäten klar geordnet haben.

Vor Jahren hatte ich die Geschäftsführung eines profitablen Dienstleistungsunternehmens neu zu besetzen. Der Eigentümer legte besonderen Wert darauf, die in Frage kommenden Kandidatinnen und Kandidaten auf ihre Krisenfestigkeit zu überprüfen. Denn wer bereits einmal eine wirklich dramatische Situation erlebt habe, führe mit ruhigerer Hand und könne sich und das eigene Verhalten in Extremsituationen besser einschätzen.

… und Veränderung zulassen: Raum schaffen für Neues!

Dabei geht es in all diesen Fällen bestenfalls nebenbei um „Gedanken“ im eigentlichen Sinn. Alle diese Phänomene haben viel mehr mit einer Form von Selbstorganisation zu tun, die sich einstellen kann, wenn günstige Rahmenbedingungen gegeben sind.

Es sind gerade die Grenzbereiche zwischen hoch engagiertem Einsatz (Sinnieren, Üben, „Führen“) und entspanntem beiseite Legen eben dieser Kraftanstrengung. Matthias zur Bonsen nennt diese förderlichen Rahmenbedingungen „Strukturen am Rande des Chaos“.

Wenn sich Führungskräfte in ihrer täglichen Arbeit (und nicht in der komfortablen Seminarraum-Atmosphäre eines noch so guten Trainings) immer wieder einmal in diesen Grenzbereichen aufhalten, leisten sie ihren allerbesten Beitrag für eine lebendige Organisation.

Mensch, trau dich!

Ja, es erfordert Mut, sich aus der vermeintlichen Sicherheit scheinbar bewährter Strukturen heraus in die weite Landschaft des freien Geistes zu wagen. Gewohnte Pfade zu verlassen, sich auf die Sache und die beteiligten Menschen aus ganz neuer, ungewohnter Perspektive einzulassen.

Sich darüber „Gedanken machen“ ist wie Koffer packen. Die eigentliche Reise beginnt, wenn wir Veränderung zulassen, uns mutig dem Neuen aussetzen und auf die „Fruchtbarkeit am Rande des Chaos“ bauen.

Das gilt nicht nur für Führungspersönlichkeiten im engeren Sinn.

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Ein Kreisel

Work-Life-Balance – Die Quadratur des Kreises

Sie befinden sich auf einem schmalen Grat. Links und rechts fallen die Felswände steil und schroff ab. In die gefährlichen Schluchten von „work“ und „life“. Doch Ihnen gelingt es bravourös, die Balance zu halten. Gratuliere! Sie haben’s drauf!

Der Hamburger Arbeitspsychologe und Mobbing-Experte Rainer Müller hat dazu in den Sozialen Medien eine Diskussion angestoßen. Das kann dort ja alles sehr flott gehen: Einfach Artikel teilen, ein kurzer Kommentar dazu – und schon geht die Post ab. Wer sein Netzwerk pflegt, erhält Feedback: Bestätigung, Korrektur, Ergänzung, Querverweise – ein Eldorado für Menschen mit Interessen halt.

Aber gilt diese Zeit des Surfens, Lesens, Kommentierens jetzt als Arbeit? Oder Freizeit? Oder ist es beides zugleich?

„Work-Life-Schizophrenie“ lautete der Titel des geteilten Artikels übrigens. Hat mir hervorragend gefallen. Nur: Jetzt hab ich dauernd dieses Bild im Kopf. Von dem Artisten mit der langen Balancierstange – elegant und kunstfertig: Ein Bild wie gemalt.

Vorsicht, Arbeit!

Sie kennen vermutlich den kürzesten Selbständigen-Witz, oder? Selbst und ständig. Damit könnten wir das Thema auch schon wieder abschließen. Aber ganz so einfach ist es denn doch wieder nicht.

Vor vielen Jahren, als mit einem meiner ersten Auftraggeber bereits ein freundschaftlicher Kontakt entstanden war, hatte der mir eine interessante Frage gestellt. Er wollte wissen, wie viel Zeit ich zu Beginn unserer Zusammenarbeit für unseren gelungenen ersten Workshop mit der Geschäftsleitung seines Unternehmens tatsächlich aufgewendet hatte.

Der Auftrag war mir damals besonders wichtig gewesen, das Thema interessierte mich brennend – und entsprechend hatte ich sicher eine Woche Vorbereitungszeit investiert. Wie viel genau, das konnte ich nicht mehr sagen.

Ob ich denn keine Zeitaufzeichnung führe? Nein. Meinte ich – für wen denn auch.

Ok. Seit diesem Gespräch führe ich eine Zeitaufzeichnung. Eine ziemlich genaue sogar – und habe daraus eine Menge über mich gelernt. Darüber, welche Arbeiten eher liegen bleiben. Und wo ich auch an einem regnerischen Samstag Vormittag gerne zupacke … ganz einfach, weil’s mir keine Ruhe lässt.

In manchen schlauen Sprüchen heißt es, das sei dann gar keine Arbeit mehr. Wenn man es wirklich gerne macht.

Vorsicht, Freizeit!

Und doch tut es manchmal gut, Handy und Laptop zuzuklappen, die Bürotür abzuschließen und einfach mal loszulassen. Ein Abend unter Freunden. Ein Spaziergang am See. Urlaub mit der Familie am Meer. Einfach mal runterkommen.

Da triffst du dann auf diesen interessanten Menschen. Der dir schon nach kurzer Zeit erstaunlich offen von sich erzählt. Von erzielten Erfolgen und anstehenden Herausforderungen. Von Scheitern, Schmerz und daraus gezogenen Lehren.

Und schon bist du wieder mitten im Geschäft. Ich meine. Als Coach zumindest. Klar fährst du da im Hintergrund alles hoch, was du im Lauf der Jahre gelernt, erkannt, verstanden hast. Und klar, dass die Kontaktdaten ausgetauscht werden. Ich glaube, darüber sollten wir uns nochmals ausführlicher unterhalten.

Oder diese Kollegin, die du seit langem als brillante Architektin kennst. Die spät abends (oder früh morgens – je nach Betrachtungsweise) an der Bar gefragt wird, wie’s denn so laufe. Die von einem aktuellen Projekt zu plaudern beginnt und die Geburtstagsfeier eine Stunde später mit der Visitenkarte eines Geschäftsmanns verlässt, der sich gerade mit einem ähnlichen Problem herumschlägt.

Der Krankenpfleger auch. Der sich nach Wochen der Mehrfachbelastung endlich ein paar Tage frei nehmen kann um mit der Familie in die Berge zu fahren. Die Frau hat sich von der lästigen Grippe endlich erholt und die Kids haben auch ganz passable Halbjahreszeugnisse nach Hause gebracht – und das, obwohl es zuletzt wirklich nicht immer leicht war. Jetzt einfach ein paar Tage Schifahren: Das frische Aroma der Bergluft statt der keimfreien Krankenhausatmosphäre. Endlich.

Und am zweiten Tag verstaucht sich der Kleine den Knöchel. Statt Wedeln im Tiefschnee kühle Wickel und Märchen vorlesen in der Ferienwohnung. Und schon ist er wieder ganz in der Rolle aufgegangen. Es ist halt sein Leben.

Da soll sich noch jemand auskennen

Ob das mit dem „Loslassen“ vielleicht noch nicht so ganz klappt? Oder ob es so etwas gibt wie eine persönliche „Mission“? Vermutlich haben beide Sichtweisen eine gewisse Berechtigung.

Wenn wir uns schwer tun, aus unserer Geschäftigkeit auszusteigen und den Kopf einfach nicht mehr frei bekommen. Wenn sich unser Blick verengt, der Kopf schwer wird und wir auch in unserer Umgebung auf Widerstände stoßen. Dann könnte es durchaus Sinn machen, sich am Riemen zu reißen und eine vernünftig dimensionierte und gestaltete Auszeit anzutreten – und zwar ohne Schlupfloch.

Wenn es aber einfach nur so aus uns heraussprudelt. Wenn wir aufblühen dabei, intuitiv merken, dass wir einfach zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Wenn wir uns dabei so richtig lebendig fühlen. Dann bitte: Lasst uns unsere Kraft nicht vergeuden mit einengenden Konzepten, die zu nicht viel mehr taugen als besserwisserischer Bevormundung.

Wen wundert’s da, wenn unser Artist mit der Balancierstange betreten die Bühne verlässt. Er versteht die Welt nicht mehr, während sein Blick auf munter umherstreifende Alpendohlen fällt.

Elegant und kunstfertig segeln sie durch die Lüfte. Ein Bild wie gemalt.

Sie balgen und zanken sich um ein paar verlorene Brotkrumen und wechseln völlig unbekümmert über den Grat „zwischen“ den Schluchten, der für sie keinerlei Bedeutung zu haben scheint.

Tun, was zu tun ist

Die Diskussion um die sogenannte „work-life-Balance“ ist nicht neu. „Die Trennung von Arbeit und Beruf ist Bullshit“ bringt es Thomas Vasek auf den Punkt. Und Roger Koplenig schlägt stattdessen eine „Performance-Rest-Balance“ vor – also ganz einfach auf eine vernünftige Dosierung seines Engagements zu achten.

Was viele dieser neueren Ansätze gemeinsam haben ist die Verlagerung des Fokus. Wer versucht, eine Balance „zwischen“ dem Einen und dem Anderen zu halten, wird in Beidem scheitern.

Ein Weg ist ein Weg. Klar wird es links und rechts und mitten drin die eine oder andere Herausforderung zu bewältigen geben. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Doch Wege entstehen im Gehen.
Nicht im Balancieren.

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Eine träumende Person

Von Träumen und Zielen

„Ziele sind Träume mit Termin“ – hab ich unlängst gelesen. Das kommt der Sache ziemlich nahe. Aber was tun, wenn du deinen Traum … verloren hast?

Manfred war über 20 Jahre lang hervorragend unterwegs – so könnte man sagen. Nach seinem Studium der Betriebspädagogik hatte er sich rasch und scheinbar zielsicher in der Berufswelt zurechtgefunden.

Dass er dabei auf die tatkräftige Unterstützung einiger Pfadfinder-Kollegen bauen konnte war dabei sicher nicht hinderlich. Damals – noch während des Studiums – fand er so zu seiner tollen und preiswerten Studentenbude. Und zu einem gut bezahlten Nebenjob. Später dann profitierte er hie und da von einem Hinweis oder Angebot. Und dann von der tatkräftigen Unterstützung beim Hausbau. Auch er tat was er konnte um sich durch die eine oder andere Gefälligkeit zu revanchieren.

Dass seine Partnerin Anna ihn auch nach Kräften unterstützte … um nicht zu sagen verwöhnte, kam ihm ebenfalls zu gute. Die treue Seele kümmerte sich um Haushalt und Kinder, Verwandtschaft und Nachbarschaft. Und darum, dass bei den bald schon zur Institution gewordenen Gartenfesten alles wohl organisiert war. Sie schien damit glücklich. Er dankte es ihr mit seinem vollen Vertrauen. Gemeinsames Konto, sämtliche Ausgaben gingen durch ihre Hände. Alles lief perfekt. Bis …

Alles lief perfekt

Ja, alles lief perfekt, bis er eines Tages völlig unvermutet vom Vorstand seines Unternehmens zum Gespräch geladen wurde. Eine größere Umstrukturierung mache es notwendig, sich von ihm zu trennen, obwohl man mit seiner Leistung stets bestens zufrieden gewesen sei.

Da stand er nun. 42 Jahre alt. Seit 17 Jahren Führungskraft eines etablierten Einzelhandelsunternehmens. Mit einem Sack voller Berufserfahrung – in einem Betrieb, in dem es genau besehen schon längere Zeit nicht mehr wirklich rosig gelaufen war, das hatte er allzu lange nicht wahrhaben wollen. Mit einem in letzter Zeit etwas auf Sparflamme gekochten Netzwerk. Naja. Die Kinder in der Pubertät, berufliche Herausforderungen, die eine oder andere Trennung bei seinen Jugendfreunden.

Seiner Frau erzählte er anfangs nichts davon. Auch nicht den Kindern. Was soll man schon groß sagen, wenn eine 16jährige und ein 14jähriger vor einem stehen – so ganz voller Selbstbewusstsein und Vertrauen in die Zukunft.

Als die vereinbarte sehr tolerante Kündigungsfrist sich langsam dem Ende zuneigte und aus all den von verschiedener Seite ausgesprochenen Unterstützungsangeboten nichts geworden war, blieb ihm nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen: „Ich habe ein Problem“ – wollte er eines Abends seiner Partnerin mitteilen. Sie kam ihm zuvor.

Ich habe ein Problem

„Ich habe ein Problem“ – meinte sie. Die Kinder seien nun schon in einem Alter, in dem sie das häusliche Umfeld nicht mehr wirklich bräuchten. Und schätzten. Und sie habe sowieso schon lange den Eindruck, dass sie irgendwie auf der Stelle trete.

Kurzum – sie habe sich entschieden, eine Ausbildung zur Psychotherapeutin zu beginnen. Sie könne so doch noch etwas aus ihrem Psychologie-Studium machen. Und aus ihrer langjährigen Erfahrung als Mutter, Hausfrau, Eventmanagerin, Pflegefachkraft, Finanzchefin, … Ach ja: Sie habe sich auch schon angemeldet zu dieser Ausbildung, die ihr schon länger durch den Kopf ginge.

Wieso sie bisher nichts davon gesagt habe?

„Naja. Du warst in letzter Zeit ja kaum ansprechbar. Immer drehte sich alles nur um dein Geschäft. Weißt du: Ich wollte einfach auch mal etwas für mich machen!“

Blöder Zeitpunkt, meinte er trocken. Und legte auf den Tisch, was allzu lange nicht zur Sprache gekommen war: Die Wahrheit über seine bevorstehende Arbeitslosigkeit.

***

Zwei Jahre später sieht die Welt für Manfred und Anna völlig anders aus. Sie steckt mitten in ihrer Therapieausbildung. Die anfallenden Kosten drücken gewaltig auf das Familienbudget, aber irgendwie geht es. Er kennt inzwischen die Personalberater-Szene seiner Region in- und auswendig. Absagen am laufenden Band. Vorstellungsgespräche nicht mehr so häufig. Das Übliche halt.

Seine spärlichen Brötchen verdient er mit Schulungen, die er im Auftrag seines ehemaligen Arbeitgebers dann und wann durchführen darf. So hatte er sich sein Leben wirklich nicht vorgestellt.

An einem sonnigen Frühlingswochenende kommt es zum Eklat – er kann einfach nicht mehr. Anna ist voller Optimismus von einem mehrtägigen Seminar nach Hause gekommen. Er stammelt etwas für sie recht Unverständliches über eine neue Geschäftsidee, dass er sich nicht mehr auf sie verlassen könne und einfach mehr Zeit für sich brauche … dann ist er fort.

***

Die Geschichte von Manfred und Anna ist natürlich frei erfunden. Zum Teil zumindest. Doch solche oder ähnliche Dramen spielen sich in vielen wohl situierten Familien ab.

Manche schaffen es noch rechtzeitig vor dem endgültigen Eklat, sich Zeit zu nehmen und Hilfe zu holen. Ihren wirklichen (Lebens-)Träumen miteinander auf den Grund zu gehen und sich selbst neu zu (er)finden.

Andere wenden sich ab – schockiert und enttäuscht vom scheinbaren Scheitern – und suchen ihr Heil in einem Neubeginn: Ganz von vorne anfangen – mit einem neuen Beruf, einer neuen Partnerschaft. Alles einfach nochmals zurückspulen.

Das ist DIE Chance!

Wer nimmt sich schon wirklich die Zeit für eine ernsthafte Lebensinventur. Eh nur, wer sich den Kopf so gründlich angeschlagen hat, dass er / sie sich kaum mehr auf den Beinen halten kann, oder?

Wenn’s also nicht schon eher sein konnte, dann wenigstens jetzt!

An dieser Stelle ein paar zu klärende Fragestellungen, wenn’s mit der Karriere so gar nicht klappen will und die Ampel in einem unserer Lebensbereiche grad von Gelb auf Rot umschaltet – spätestens dann ist es nämlich allerhöchste Zeit, einmal genauer hinzuschauen:

Es knirscht im persönlichen Bereich

  • Was genau treibt mich? Im Grunde schon mein ganzes Leben lang? Was begeistert mich? – Und was kostet mich meinen letzten Nerv?
  • Was kann ich gut? Wofür wurde ich immer schon geschätzt? – Und wo komme ich alleine so gar nicht zurecht?
  • Was mag ich wirklich? Was rührt mich zutiefst? – Und was schnürt mir die Kehle zu?

Engagement, Fähigkeiten und Herzblut sind ein stabiles Fundament. Darauf können wir aufbauen.

Es knirscht im privaten Umfeld

  • Was genau hat mich genau an dieser Partnerin / an diesem Partner begeistert? Wofür schätze ich ihn / sie? – Und was sind Aspekte, die zu akzeptieren mir schwer fallen?
  • Was haben wir miteinander schon alles auf die Beine gebracht? Was ist uns gut gelungen? – Und worin hatten wir bisher kein geschicktes Händchen?
  • Woran erkennen die Menschen in meinem privaten Umfeld meine Zuneigung, meinen Respekt, meine Liebe? – Und worauf könnte ich in Zukunft vielleicht besser verzichten?

Die Menschen in unseren Familien und im privaten Umfeld sind unser erster Kontakt in die Außenwelt. Wie sollten wir beruflich erfolgreich sein, wenn unsere privaten Beziehungen verkümmern? Niemand ist eine Insel.

Es knirscht am Arbeitsplatz

  • Wofür sind wir in erster Linie verantwortlich? Was ist unsere Aufgabe, die wir (selbstverständlich) ordentlich abliefern? – Und welche Aufgaben wollen uns in unserer derzeitigen Funktion so gar nicht gelingen?
  • Welche Fähigkeiten können wir in der derzeitigen Funktion gut einsetzen und damit auch für unsere Unternehmen / Organisationen einen echten Mehrwert erzeugen? – Und was liegt noch brach? Weil wir es nicht können – oder wollen?
  • Was begeistert uns an unserem jetzigen Verantwortungsbereich? Was tun wir mit Leidenschaft? – Und wo hat längst „Schema F“ Einzug gehalten?

Wer seinen Job nur (noch) aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit erfüllt, ist heute in vielen Bereichen bereits angezählt. Und selbst wo wir uns in unkündbaren Stellungen bewegen, haben wir damit auf jeden Fall verloren: Lebenskraft, Lebensfreude, Lebensmut.

Es knirscht in der Gesellschaft

  • Wofür tun wir uns das alles letztlich an? Welchen Zweck erfüllen wir mit unserem (beruflichen) Engagement in der Gesellschaft, in der wir leben? – Und womit sollten wir schleunigst aufhören? Weil wir uns allen mehr schaden als nutzen?
  • Wie können wir unsere Fähigkeiten, Dienstleistungen, Produkte platzieren, damit unsere Gesellschaft einen größtmöglichen Nutzen davonträgt? – Und womit erbringen wir irrelevante, nutzlose oder gar schädliche Leistungen?
  • Wie stellen wir uns – derzeit – die „ideale Gesellschaft“ vor? Wofür lohnt es sich, sich einzusetzen? Mit der ganzen Kraft und Expertise, die wir uns bereits erarbeitet haben?

Ja, wir müssen ein bisschen träumen. Eine nüchterne Welt ohne Begeisterung und Träume ist fad und leer – und bietet mit Sicherheit keinerlei Anlass für große Erfolge.

Träume stecken in jedem und jeder von uns – wir müssen ihnen nur ein bisschen Aufmerksamkeit widmen, dann entwickeln sie sich (fast) von alleine.

Der Rest?

Der Rest ist eine relativ banale Angelegenheit, die mit ein wenig Training, Zeit- und Ressourcenmanagement bewältigbar sein sollte. Oder? 😉

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Kompetenz und Kooperanz - Zusammenarbeit

Kompetenz und Kooperanz

Wenn wir von „Kompetenz“ sprechen, dann ist das gemeinhin ausschließlich positiv besetzt: Ein Mensch, dem wir eine besondere Kompetenz zusprechen, „kann“ etwas. Er oder sie fällt durch erwähnenswerte Fähigkeiten auf und wird dadurch zu etwas Besonderem. Und das ist doch was: Etwas Besonderes sein, oder?

Genau besehen kommt das Wort Kompetenz vom lateinischen „competere“. Übersetzt in die heutige Alltagssprache reichen die Bedeutungsvarianten von „sich hervortun“ bis „wetteifern“. „Kompetenz“ hat also durchaus auch einen aggressiven Beigeschmack.

Aggression. Wieder so ein Wort aus dem Lateinischen. „ad-crescere“ soll der Ursprung dieses Wortes sein, klingt es noch aus dem Lateinunterricht von anno dazumal nach: „hinzukommen, anwachsen, anschwellen“.

So verstanden ist Kompetenz also Frucht von Engagement, intensiver Auseinandersetzung, tatkräftigem Hinlangen … und handfestem Durchsetzungsvermögen.

So weit so gut. Möge der oder die Bessere gewinnen. Allerdings hat die Sache einen Haken.

Oder vielleicht sogar mehrere.

Warum Erfahrung das Risiko für Fehlentscheidungen erhöhen kann

Unter diesem Titel wurde unlängst auf der Facebook-Seite der Plattform Psyche und Arbeit ein Artikel geteilt, in dem auf zwei Probleme hingewiesen wurde:

Die Illusion von Kontrolle.

Wer sich eine gewisse Kompetenz erarbeitet und erstritten hat, läuft Gefahr in die Selbstüberschätzungs-Falle zu laufen. Meist haben Erfolge viele Mütter und Väter, von denen die wenigsten auch nur bekannt sind.

Mir fällt dazu ein Würstelstand ein, dessen Besitzer überzeugt war, die besten Würstel der Stadt zu verkaufen. Nun ist Geschmack bekanntlich Geschmacksache. Dass er den Preis für seine Ware deutlich über dem des Mitbewerbs ansetzen konnte, dürfte aber doch mehr seinem Standort direkt am Parkplatz der Touristenbusse zu verdanken gewesen sein …

Die Verwechslung von Erfahrung und Expertise

Expertise entsteht durch Ausprobieren von Neuem und gezieltes Lernen aus den Ergebnissen. Wer lediglich seine Routinen optimiert wird sicher versierter in der Umsetzung, dadurch aber mit Sicherheit nicht zum Experten.

(Allzu) Kompetente Menschen machen Ihr Team kaputt

In zunehmend komplexer werdenden Systemen hat das Modell der kompetenten Persönlichkeit seinen Wirkungsgrad rasch ausgeschöpft. Auf Dauer ist es weder sinnvoll noch besonders motivierend, wenn in einem Vertriebsteam geklärt ist, wem hier „Kompetenz“ zugebilligt wird … und wem nicht.

Mögen Herr Umsatzbringer und Frau Deckungsbeitrag in den wöchentlichen Meetings noch so attraktiv und schillernd erscheinen, wenn sie mit redlich verdienten, hervorragenden Verkaufszahlen brillieren – allzu rasch wird aus den vermeintlichen Zugpferden in Tat und Wahrheit ein erstaunlich lähmender Faktor, der die Entwicklung des Unternehmens in erschreckendem Ausmaß blockiert.

Wo wir uns selbst an vermeintlichen TOP-Leistungen messen definieren wir uns immer als Prozentsatz des Möglichen. Pardon – des für uns selbst Unmöglichen.

Genau darin liegt eine enorme Entwicklungsbremse. Statt Neues zu wagen – mit dem Risiko des Versagens, aber auch der Chance auf Erkenntnisgewinn – geben wir uns mit einer vermeintlichen Mittelmäßigkeit zufrieden, in der wir uns immer in respektvoller Relation zur vermeintlichen „best practice“ definieren.

Doch jede heutige best practice war in ihren Jugendjahren eine wirre Idee, an die meist nur ein paar Spinner wirklich glauben konnten.

Wer sich (zu sehr) an kompetenten Kolleginnen und Kollegen orientiert, degradiert sich selbst zur Gewächshaus-Tomate statt sich unter dem direkten Einfluss von Sonne, Wind und Regen zu einer robusteren Version seiner selbst zu entwickeln.

Was also tun mit all der Kompetenz?

„Es tut mir aufrichtig leid, dass ich meine Arbeit in der doppelten Geschwindigkeit und mit deutlich besseren Ergebnissen erledige als Sie!“ – entgegnete die brillante Key-Account-Managerin eines bekannten Stahlhändlers schnippisch, als sie von einem Kollegen dezent darauf hingewiesen wurde, dass sie mit ihrem außergewöhnlichen Quartalsergebnis eine ziemliche Unruhe in der Kollegenschaft ausgelöst habe. Man befürchte eine nochmalige Erhöhung der Verkaufsziele und wisse wirklich nicht, wie damit umzugehen sei.

Geschichten wie diese sind in fast jedem Unternehmen bekannt: Da entwickelt sich – mitunter recht plötzlich – eine Person oder ein Markt oder beides gleichzeitig. Die Versuchung, das Glück klar und eindeutig zu begründen und genau die drei oder vier relevanten Faktoren zu identifizieren, die den Erfolg als logische Konsequenz des richtigen Tuns erscheinen lassen. Die Versuchung, das eigene Zutun zum Erfolg größer und die günstigen Umstände unbedeutender erscheinen zu lassen. Die Versuchung, den Erfolg einer steuerbaren Größe zuzubuchen. – Diesen Versuchungen nicht zu erliegen, sondern selbstkritisch Zusammenhänge verstehen und weitere, neue ganz anders gelagerte Chancen zu ergreifen: Das wäre es, worum es ginge.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Von der brillanten Key-Account-Managerin war vorher die Rede. Von ihrem hervorragenden Quartalsabschluss und ihrer etwas frechen Art, die eigene Leistung in den Vordergrund zu stellen. Eindeutig schwingt in ihrem als scheinbare Entschuldigung verpackten Sarkasmus die Aufforderung mit: „Schau, dass du endlich auch in die Gänge kommst, dann geht hier wirklich was weiter …“

Nicht die Rede war von den persönlichen Problemen und Motiven dieser brillanten Dame. Von ihren Beziehungsproblemen und den Schulden, die sie sich durch eine allzu ambitionierte Spekulation aufgehalst hatte und jetzt durch ihren gewaltigen Einsatz wieder in den Griff zu bekommen gedachte.

Nicht die Rede war auch von dem glücklichen Umstand, dass dieser eine von ihr betreute Großkunde gerade einen außergewöhnlich großen Auftrag abzuwickeln hatte – mit dementsprechendem Materialbedarf.

Individuelle Erfolgsmuster – vielfältig wie das Leben

„Was treibt dich eigentlich an, deinen Hintern jeden Tag da hinaus zu bewegen und deine Kunden zu betreuen: Bedarf zu erheben, Chancen zu erkennen, Angebote zu machen – und zu verkaufen?“

„Worum geht es dir wirklich, wenn du deine Kundschaft fragst, ob sie mit deiner Leistung zufrieden ist. Wenn du auslotest, wo noch Verbesserungen möglich wären und wenn du um eine Empfehlung bittest?“

„Wie bist du denn zu diesem Auftrag tatsächlich gekommen? In welchen Netzwerken bewegst du dich, wie packst du es an, worauf achtest du und woran erkennst du, dass es sich lohnt, sich für einen Kunden wirklich einzusetzen?“

Wer es sich zur Gewohnheit macht, sich – auch in den erfreulichen Erfolgsphasen – ernsthaft mit derartigen Fragen auseinander zu setzen, wird mit der Zeit erkennen, wie verschlungen, höchst individuell und manchmal geradezu beliebig die Wege zum Erfolg sein können. Bei allem Respekt vor der hohen Schule des Verkaufs laufen die wirklichen Erfolgsstorys doch zumeist völlig unorthodox über scheinbare Nebengeleise und generieren Mehrwert, während die Kollegenschaft sich noch in den Phasen des Verkaufsgesprächs schulen lässt.

Kooperanz

Ok, ich gebe es zu: Den Begriff „Kooperanz“ gibt’s nicht – noch nicht jedenfalls. Es sollte ihn aber geben. Lassen Sie uns darunter die Fähigkeit verstehen, das am eigenen Leib Erfahrene mit anderer Menschen zu teilen und dadurch Gemeinsames, Neues entstehen zu lassen.

Persönlichkeiten mit etwas Distanz zu ihrem verständlichen Wunsch, etwas „Besonderes“ zu sein, können ihre Erfolge und Misserfolge offen und tiefgründig diskutieren. Sie werden damit zur Inspiration und Herausforderung für ernsthaftes und begeisterndes Engagement im Team – Vorbild auch mitunter, für kurze Zeit.

Denn wie schon Marlon Brando wusste: „Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“ Wichtig ist, dass jede und jeder einen stimmigen Weg zum Kunden geht – und der kann sehr unterschiedlich gestaltet sein. Gerade in turbulenten Zeiten wird ein Team dadurch bedeutend stabiler und robuster gegenüber den Unwägbarkeiten nur noch schwer kalkulierbarer Märkte.

Durch wen und auf welchem Weg die in der Folge auch betriebswirtschaftlichen Erfolge letztlich generiert werden, sollte unter derartigen Umständen erst in zweiter Linie wichtig sein.

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Erfolg - Ein Leuchtschriftzug "Go up and never stop"

Erfolg – und so.

Wir wissen heute nicht mehr, was Erfolg ist. Jedenfalls nicht, wenn wir der Sache wirklich auf den Grund gehen.

Klar: Gesundheit, Geld, Anerkennung, Freunde und Familie – wie man’s halt so haben will. Zwei Mal im Jahr Urlaub, mindestens – und zwar an möglichst exotischen Orten. „Das Übliche“ kennt man … oder meint es zu kennen.

Auto, Unterhaltungselektronik, Kleidung, Freizeit. Selbst Spazierengehen oder Radfahren ist nicht mehr so einfach wie früher. Wir brauchen dafür … Goretex zumindest. High-Tech-Oberbekleidung. Spezialunterwäsche.

Gleichzeitig werden wir heute einer Langzeitstudie zufolge um 10 Jahre früher dement, neurologische Krankheiten sind stark zunehmend und im Alter von 75+ haben sie sich praktisch verdoppelt.

Zumindest in der westlichen Welt.

Erfolg

Nüchtern betrachtet ist „Erfolg“ das, was auf unser Tun und Sein er-folgt. That’s it. Somit sind wir alle „erfolgreich“. Die Welt will Sieger sehen, und das sind wir – jedenfalls seit damals, als sich in diesem orgastischen Wettrennen genau die Samen- und Eizelle miteinander verbanden, aus der wir entstanden sind.

Aber.

Dieses Prickeln. Das volle Engagement und die Bereitschaft, auch noch das Letzte für ein lohnenswertes Ziel herzugeben … das haben wir irgendwie verlernt, oder?

Begeisterung

In Gesprächen mit Unternehmern, Führungskräften und engagierten Mitarbeitenden ist sie immer wieder anzutreffen. Die Begeisterung für eine Sache – ein spezielles Verfahren oder Produkt. Für eine Zielgruppe, die ihnen tatsächlich am Herzen liegt.

Für vordergründigere Dinge auch. Geld einfach nur. Das Aufrechterhalten eines Status. Das Vorrücken auf einer Rangliste.

Über die Tragfähigkeit dieser Ziele arbeite ich mit ihnen. Über das Vertiefen und Fundamentieren dieser Ziele auch. Denn die Ambitioniertesten kennen noch nicht das Gefühl, „alles erreicht und nichts gewonnen“ zu haben.

Sie engagieren sich über Jahr(zehnt)e für Ihre Sache … und fallen in ein tiefes Loch, wenn sie vermeintlich am Gipfel ihrer Karriere angekommen sind.

Spätestens beim dritten Sportwagen kommt dieses schale Gefühl: Und das soll’s gewesen sein?

Einfacher haben’s die, die sich engagieren um des Engagements willen. Sie finden immer etwas, auf das sie ihre Kräfte bündeln können. Die Atomenergie, Windkraft, Verkehrsbelästigung.

Lohnenswerte Ziele

Wie lohnenswert ein Ziel tatsächlich ist, darüber lässt sich mit ein paar einfachen Fragen recht rasch eine Orientierung verschaffen:

Stell dir vor, du hättest das Ziel soeben erreicht.

Ist es jetzt tatsächlich besser – oder hast du mit deiner Zielerreichung nur ein neues Problem in die Welt gesetzt?

Ist es jetzt tatsächlich besser – oder hast du dir einfach einen Vorteil zum Nachteil Anderer verschafft?

Wenn du beide Fragen mit „Ja, es ist jetzt besser“ beantworten kannst: Werden dem auch Menschen zustimmen, die dir nicht besonders nahe stehen? Und solche, die dir ablehnend gegenüberstehen?

Ob ein Ziel tatsächlich lohnenswert ist, lässt sich also gar nicht so schwer überprüfen.

Etwas herausfordernder ist es, ein wirklich lohnenswertes Ziel zu finden.

Aber dafür gibt es ja erfreulicher Weise qualifizierte Coaches, die dich dabei unterstützen können.

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