Zürich

Selbstreflexion und Leadership – Gastvorträge an der ETH Zürich

Selbstreflexion für Führungskräfte: Wie funktioniert das in der Praxis?

Im Rahmen von zwei Gastvorträgen vor Studierenden der Staatswissenschaften und unterschiedlicher Studienrichtungen an der ETH Zürich und Universität Zürich wurde das Thema Selbstreflexion und Leadership ausführlich diskutiert.

Für mich besonders interessant war die Einschätzung der gesamt ca. 100 Studierenden, darunter etliche, die bereits in führenden Positionen tätig sind:

Ca. 70 Prozent waren der Meinung, dass das Thema Selbstreflexion in der praktischen Führungsarbeit keine oder zu wenig Beachtung findet.

Ca. 90 Prozent waren der Meinung, dass es sich dabei um eine erfolgskritische Schlüsselkompetenz für Führungskräfte handle.

Selbstreflexion und Leadership

Die Conclusio: Alle wissen, dass es wichtig ist. Eine Chance auf TOP-Führungspositionen haben mittelfristig diejenigen, die Selbstreflexion und Leadership auch tatsächlich praktizieren.

Die Veranstaltungen fanden statt auf Einladung von Prof. Dr. Franz Kernic im Rahmen der Vorlesung „Leadership II“ und der Übung „Leadership“.

Im Anschluss an die Vorträge wurde das Thema im gemütlichen Rahmen einer Zürcher Gastwirtschaft vertieft: Ein Theorie-Praxis-Dialog ganz nach meinem Geschmack!

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Fehlerkultur. Shit happens

Es ist passiert. Schon wieder. Sie waren unachtsam und haben … Mist gebaut. Im Nachhinein ist Ihnen völlig klar, wie und wieso es dazu gekommen ist.

Aber wieso musste das gerade Ihnen passieren!? Schon wieder!?

Wenn Ihnen genau diese Situation nicht ganz unbekannt ist und Sie es satt haben, immer wieder in die selbe Falle zu tappen, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Fehlerkultur. Shit happens

Was eigentlich ist das genau: ein „Fehler“?

Zuerst einmal heißt es wohl, dass die Dinge nicht so gelaufen sind wie Sie es wollten. Genau genommen: überhaupt nicht so, wie Sie es wollten.

Und dann bedeutet es noch, dass Sie in Ihrem eigenen Verhalten die Ursache dafür vermuten: Sie haben etwas getan (oder unterlassen), wodurch Sie Ihr Ziel verfehlt haben.

Jetzt können Sie es sich abschminken. Verbockt. Vorbei.
Eigentlich schade, oder?

Wenn Ihnen das schon öfters passiert ist, sollten Sie schnellstens etwas daran ändern. Denn so macht das keinen Spass.

Coaching Tipp: Fehlerkultur

  • Zuerst einmal nehmen Sie sich etwas zum Schreiben zur Hand. „Erfolgreiche Menschen denken auf Papier“ heißt es – und das kann hier auf keinen Fall schaden …
  • Beschreiben Sie in Ihrem eigenen Stil eine typische Situation, in der Sie dazu neigen, den selben „Fehler“ zu wiederholen. Auf jeden Fall hilfreich wird es sein, dabei auf folgende Aspekte etwas genauer einzugehen:
    1. Was war eigentlich genau mein Ziel?
    2. Weshalb habe ich dieses Ziel nicht erreicht?
    3. Was hätte ich tun / lassen können, um dieses Ziel zu erreichen – oder ein besseres, realistischeres anzustreben?

Wenn Sie darauf eine glasklare Antwort gefunden haben, dann waren Sie beim Finden des Problems schon mal erfolgreich.

Dann können Sie sich jetzt Ihrer Lösung zuwenden:

  • Fragen Sie sich, was genau Sie davon abhält, diese eine konkrete Korrektur vorzunehmen … und schreiben Sie sich Ihre Gründe auf.
  • Fragen Sie sich, was es Ihnen erleichtern würde, diese konkrete Handlung zu setzen …  und schreiben Sie sich diese unterstützenden Rahmenbedingungen auf.
  • Fragen sie sich, was Ihnen hilft wenn’s das nächste Mal wieder schief läuft. Wie kommen Sie möglichst rasch wieder raus aus dem Jammertal? … natürlich schreiben Sie sich auch das auf.

Sollten Sie jedoch zu dem Schluss kommen, dass Sie alles richtig gemacht haben. Dass die Dinge nun mal gelaufen sind wie sie gelaufen sind und Sie tatsächlich nichts besser machen hätten können.

Dann machen Sie einfach kein Problem draus.
Shit happens. 😉

Fehlerkultur. Es geht auch anders

Wenn Sie sich jetzt mit einem Schmunzeln auf den Lippen und etwas mehr Überblick in der Angelegenheit wieder Ihrem ganz normalen Alltag widmen, können Sie auf zweierlei Rüstzeug zurückgreifen:

Sorgen Sie erstens aktiv für ein förderliches Umfeld, das Ihnen Ihre Arbeit erleichtert. Das Sie stärkt und es Ihnen leichter macht, sich aus gewohnten und wenig förderlichen Fahrwassern heraus zu halten.

Und wenn doch wieder mal etwas schief läuft und Sie von Ihrer Piste abkommen, dann ziehen Sie sich zweitens möglichst rasch wieder selbst aus dem Sumpf. Niemand hat etwas davon, wenn Sie sich unnötig grämen – am allerwenigsten Sie selbst.

Übernehmen Sie die Verantwortung für das, was Sie meinetwegen verbockt haben. Bringen Sie soweit möglich wieder in Ordnung, was Ihnen gegenüber Menschen und Dingen missglückt ist und packen Sie die Sache nochmals mit frischem Mut und neuer Aufmerksamkeit an.

Denn „Fehler“ werden uns immer wieder mal passieren.

Doch spannender wird’s, wenn wir hin und wieder mal einen neuen ausprobieren statt immer wieder in das selbe alte Horn zu stoßen. 😉

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Eine Person, die unter Wasser den Atem anhält

Resilienz. Die Sache mit dem langen Atem

Es gibt Zeiten, in denen man meint, nicht genug davon bekommen zu können. Der „lange Atem“ ist’s – von dem in diesem Praxis-Tipp die Rede sein wird.

Hat man den einfach oder kann man ihn auch trainieren?

Wenn Sie davon manchmal etwas mehr gebrauchen könnten, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Resilienz. Die Sache mit dem langen Atem.

Zugegeben. Das Wort allein ist schon  eine Hürde. Es klingt – zumindest in meinen Ohren – ganz wie es ist: etwas kompliziert.

Laut Wikipedia ist darunter die Fähigkeit eines Systems zu verstehen, mit Veränderungen umgehen zu können – also mit Störungen, Ablenkungen oder allgemein Einflüssen von Innen oder Außen.

Oder noch einfacher: Es geht um die Fähigkeiten des sprichwörtlichen Stehaufmännchens.

Ganz egal, wie sehr du ihn drangsalierst – er hat immer den längeren Atem. Munter purzelt er zurück in seine Ausgangsstellung und behält stets fröhlich den Überblick.

… da könnte einen der blanke Neid überkommen, nicht wahr?

Damit Sie auch in besonders herausfordernden Situationen Ruhe  bewahren und sich von unerwarteten Störungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen – probieren Sie doch einmal folgende kleine Atemübung aus:

Coaching Tipp: Resilienz

Setzen oder stellen Sie sich aufrecht und mit gutem Bodenkontakt hin und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Vermutlich wird Ihnen dabei auch Ihr Herzschlag bewusst und Sie können die einzelnen Pulsschläge wahrnehmen.

Nach zwei oder drei bewusst wahrgenommenen Atemzügen takten Sie Ihren Atemrhythmus mal für eine Weile um:

  • Atmen Sie zwei Pulsschläge lang tief ein.
  • Die nächsten vier Pulsschläge atmen Sie tief aus.
  • Die nächsten zwei Pulsschläge pausieren Sie mit der Atmung. Atempause.

Sie glauben das geht nicht? Klar geht das.

Möglicherweise sind Sie bei den ersten Versuchen noch etwas angespannt aber Sie werden sehen, dass die Übung bereits nach wenigen Atemzügen problemlos gelingt – auch wenn Sie sich zum Beispiel schwer tun, Ihren Pulsschlag wahrzunehmen: Versuchen Sie es dann anfangs einfach mit Zählen.

Was genau passiert dabei?

Körperlich bewirken Sie dadurch vor allem die tiefe Entleerung Ihrer Lungenflügel. Während die „natürliche“ Reaktion auf zunehmende Störungen bei den meisten Menschen eine Verflachung des Atems auslöst, atmen Sie in herausfordernden Situationen in aller Ruhe den ganzen alten Mief aus und es steht Ihnen frische, sauerstoffreiche Luft zur Verfügung.

Das allein hat schon eine stark belebende Wirkung, denn unser Gehirn benötigt diesen Sauerstoff – in anspruchsvollen Situationen sogar besonders dringend.

Diese kleine Übung hat aber noch eine zweite, mindestens genauso hilfreiche Wirkung: Sie verschafft ein wenig mehr Distanz zum Geschehen.

So stärken Sie Ihre Resilienz.

Besonders in hektischen Meetings und in harten Verhandlungen sammeln Sie Ihre Kräfte und behalten den Überblick, wenn die Emotionen im Raum hoch gehen.

Lassen Sie die Brandung um sich herum tosen. Sie werden die Argumente und Anliegen Ihrer Gesprächspartner deutlich klarer wahrnehmen und  zur rechten Zeit und mit den rechten Worten auch Ihren eigenen Anliegen Gehör verschaffen.

Zumindest besser, als es Ihnen ohne diese Übungen gelingt. 😉

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Freudensprünge vor Sonnenuntergang

Erfolg. Ein kleiner, praktischer Tipp

Jeder wünscht ihn sich. Den Gevatter Erfolg. Doch scheiden sich sehr rasch die Geister, wenn’s  wirklich zur Sache geht.

Was  ist eigentlich für dich ein Erfolg? – Und: Was bist du bereit dafür zu tun?

Wenn Sie der Sache auf den Grund gehen wollen, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Erfolg. Ein kleiner, praktischer Tipp!

Zuerst ein wenig Theorie. Keine Angst, es sind nur ein paar Sätze.

Schließlich wollen Sie zuerst wissen, wohin die Reise geht, bevor Sie sich blindlings auf ein Abenteuer ohne Ziel einlassen, oder?

Was also ist Erfolg?

Rufen Sie sich in Erinnerung, was Sie sicher schon einmal gehört haben – nämlich die beiden extremen Bilder von Erfolg:

So stellen sich Erfolg-lose Menschen Erfolg vor:

Coaching Tipp: Erfolg. So stellen sich Erfolg-lose Menschen den Erfolg vor.

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Dass „Jetzt“ grad graue Wolken das Leben trüben – dafür gibt es mit Sicherheit eine/n Schuldige/n. Der Chef zum Beispiel. Oder der Zufall. Oder noch besser: Die Eltern – die bieten sich  perfekt als Verursacher jeglicher Misere an.

„Später“ wird etwas Besonderes geschehen. Eine neue Liebe. Zu einem reichen Menschen natürlich. Eine phantastische neue Arbeitsstelle. Oder – auch hier gibt’s noch eine Steigerung: Ein Lottogewinn. Dann müssen wir nicht mehr arbeiten und ohne Beziehung gibt’s auch da keinen Zoff. 😉

Und so stellen sich Erfolg-reiche Menschen den Erfolg vor:

Coaching Tipp: Erfolg. So stellen sich Erfolg-reiche Menschen den Erfolg vor.

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„Jetzt“ und „später“ haben eines gemeinsam: Es gibt immer Sonnenschein und Regenwetter. Was soll’s. Machen wir halt das Beste draus – dann geht’s auch nach Abstürzen und Krisen wieder munter weiter.

Coaching Tipp: Erfolg

  • Besorgen Sie sich ein Heftchen oder ein Buch. Das braucht nicht groß, nicht dick und nicht teuer sein. Wichtig ist nur, dass Sie darin Ihre persönlichen Aufzeichnungen festhalten können – und es dann auch … Tun. Genau.
  • Machen Sie es sich zur Gewohnheit, täglich kurz auf Ihren Tag zurück zu blicken und nach „Sonnenstrahlen“ zu suchen. Schreiben Sie sich einfach täglich auf, was an diesem Tag gut gelungen ist, womit Sie zufrieden und wofür Sie dankbar sind.
  • Dass es dafür auch praktische softwareunterstützte Lösungen gibt, das hat sich ja bereits herumgesprochen.

So oder so: Es sind diese erbaulichen Augenblicke – die freundlichen Gesten, günstigen Fügungen, wertvollen Hinweise etc. – die den Alltag reich und fruchtbar machen. Täglich gesammelt und bewusst registriert entwickeln sie sich prächtig und bilden den Boden für Ihren Erfolg.

Und dieser Erfolg passt zu Ihnen. Das ist wirklich Ihrer – und er hat exakt … nichts … mit der „reich und schön“-Illusion zu tun, die uns in zweitklassiger Erfolgsliteratur und diversen Medien vorgeturnt wird.

Damit wäre eigentlich auch die zweite Frage beantwortet: Was bist du bereit, dafür zu tun?

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Eine Person vor der Entscheidung, in welche Richtung sie gehen soll

Entscheiden. So geht’s einfacher!

Soll ich oder soll ich nicht?

Sie verlassen sich bei wesentlichen Fragen nicht gerne auf die Anzahl der Blütenblätter eines Gänseblümchens? Entscheiden lieber auf einer soliden Grundlage?

Dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Entscheiden – so geht’s einfacher!

Natürlich haben Sie sämtliche Fakten bereits zusammen getragen. Mit dieser oder jener Person aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis haben Sie auch schon gesprochen.

Schließlich sind Sie ein umsichtiger Mensch.

Wenn da nicht diese … ähm … „inneren Stimmen“ wären.

Keine Sorge: Das mit den inneren Stimmen geht ok. Und wenn die sich erst mal geeinigt haben, DANN geht’s mächtig vorwärts! 😉 

Also. Genug geredet – jetzt geht’s an’s Tun:

Coaching Tipp: Entscheiden

  • Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und zeichnen Sie eine einfach Matrix auf: Die x-Achse ist die Zeitachse, die y-Achse enthält zwei Rubriken. Ja. Und Nein.
Entscheiden 1

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  • Jetzt nehmen Sie 3 Stifte mit unterschiedlicher Farbe zur Hand. Zum Beispiel blau für das Denken, grün für das Fühlen und rot für das  Wollen.
  • Fragen Sie die drei einfach mal spontan: Was haltet Ihr davon? Soll ich? Soll ich nicht? – Und tragen sie deren aktuelle Meinung einfach mal auf der Matrix mit einem Punkt ein. Seien Sie dabei tolerant. Manchmal können die sich selber nicht recht entscheiden.
Entscheiden 2

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  • So gehen Sie jetzt – je nachdem wie gewichtig die Entscheidung für Sie ist – über einen gewissen Zeitraum vor. Verbinden Sie die Punkte zu einer durchgängigen Linie – so können Sie schön Tendenzen ablesen.
Entscheiden 3

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  • Gegessen ist der Käse, wenn sich die 3 geeinigt haben.

Sie werden sehen, dass das mitunter recht rasch gehen kann. Wir müssen nur „zuhören“ und auf das eingehen, was sie zu sagen haben.

Dann verhalten sich die 3 in der Regel ganz kooperativ.

Vorsicht

Das selbe gilt auch umgekehrt: Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, dann bleiben Sie am besten auch dabei. Es sei denn, dass ihre drei inneren Stimmen Ihnen tatsächlich alle drei empfehlen, den eingeschlagenen Weg zu korrigieren.

Auch das soll vorkommen.

 

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