Meinungen – Andere besser verstehen

Es gibt Diskussionen, die können uns wirklich auf die Palme bringen. Da werden Meinungen vertreten, Ansichten geäußert … dabei stellt es uns regelrecht die Nackenhaare auf.  

Geht es Ihnen auch manchmal so?

Dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Meinungen – Andere besser verstehen

Unlängst bin ich auf ein bitter-böses Posting gestoßen.

Der Horizont der meisten Menschen sei ein Kreis mit dem Radius null. Hat es da geheißen. Das nenne man dann einen Standpunkt.

Ich mag diesen provokativen Humor. Und für unser Anliegen ist es schon mal was, überhaupt einen Standpunkt zu haben. 😉

Sicher haben Sie bereits ein konkretes Thema, an dem sich in Ihrem Umfeld die Gemüter erhitzen. Corona selbstverständlich. Klimawandel. Privilegien und Benachteiligungen. Lehrer und Beamte. Männer und Frauen. Flüchtlinge. … usw.

Wenn Sie das rechte Thema gefunden haben, genügt oft ein kleiner Funken und wir haben sie auf dem Tisch: die helle Aufregung.

Dabei würde es hier erst richtig spannend werden.

Coaching Tipp: Meinungen

Coaching Tipp Meinungen - Andere besser verstehen. StandpunktMeinungen sind bestenfalls ein kurzes, knappes Intro in ein wirkliches Gespräch. Da werden eben diese Stand-PUNKTE vertreten, die meist nur recht verkürzt und plakativ geäußert werden.

Und in wenig qualitätsvollen Auseinandersetzungen bleibt’s auch meist dabei. „Bist jetzt dafür oder dagegen!?“ wird dann allzu früh eine Positionierung gefordert – zu einem Zeitpunkt, zu dem weder Hintergründe noch Zusammenhänge geklärt sind.

Was zu kurz kommt, ist das wirklich konstruktive aufeinander zu gehen statt sich lediglich mit etwas „auseinander“ zu setzen.

Sie haben „Ihr“ Thema noch parat. Oder?

Dann gehen Sie jetzt doch einmal versuchsweise so vor, dass Sie sich fragen, wie Ihr Gegenüber (ja, genau: der oder die mit dieser verrückten Weltanschauung!) zu dieser – aus Ihrer Sicht – schrägen Ansicht gekommen ist.

Coaching Tipp: Meinungen - Andere besser verstehen - Standpunkt_2Welche Erfahrungen, Prägungen, Erlebnisse, Ideen, Muster … mögen wohl dahinter verborgen sein? Dass ein gesunder Mensch zu einer (aus unserer Sicht) so verdrehten Meinung kommt?

Manchmal hilft schon ein kurzes „Hinschauen“, „Hinhören“, das Gegenüber besser zu verstehen.

Und gar nicht so selten entstehen in derart offenen Gesprächen völlig neue Einsichten. Richtige Aha-Erlebnisse, die uns eine ganz neue Perspektive einnehmen lassen und zu völlig neuen Lösungsmöglichkeiten führen – im privaten wie auch im beruflichen Bereich.

So können wir „Meinungsfreiheit“ als wirklich lebendigen Grundwert pflegen.  Aber halt richtig. Nicht nur auf dem Papier.

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Praxisbeispiel business case

Business Case Öffentlicher Dienst

Training und Coaching: Meine Angebote – powered by Quod.X® – sind auch im Bildungsprogramm 2015 der österreichischen Bundesverwaltungsakademie wieder mit dabei.

Nach der erfolgreichen Durchführung des 6wöchigen Leadership-Trainings mit intensiven Coaching Einheiten im Frühsommer 2014 und zwei Folgeprojekten im Bereich Teamentwicklung und Führungskräfte-Training im vergangenen Herbst in unterschiedlichen Ministerien wurde Quod.X® auch 2015 wieder in’s Bildungsprogramm der Bundesverwaltungsakademie aufgenommen.

Training – Angebote

Neben dem bereits mehrfach erfolgreich durchgeführten Format Reflexion im Führungsalltag wird diesmal auch das Format TEAM – Top Engagiert Ambitioniert Motiviert angeboten.

Darüber hinaus wird das Angebot für Führungskräfte auch in Form von individuellem Einzelcoaching  bereitgestellt.

Das Besondere an diesem Angebot liegt in der Grundkonzeption der Trainings:

  • Kurze Präsenzeinheiten zum Beginn und Abschluss des Trainings
  • Tägliche Selbstreflexion  mit der webbasierten Software  Quod.X®
  • Individuelle Coaching Einheiten per Telefon / Facetime / Skype

Durch dieses Vorgehen werden Ressourcen optimal genutzt und die Wirksamkeit des Trainings deutlich erhöht:

  • Geringer Aufwand für Präsenzveranstaltungen
  • Regelmäßiges, individuelles Training im konkreten Arbeitsalltag
  • Punktuelle Unterstützung bei den konkreten Herausforderungen
  • Hohe Effektivität durch maximale Praxisnähe.

Die praxiserprobten Formate von Quod.X® bewähren sich in den unterschiedlichsten Branchen und auf unterschiedlichen Führungsebenen – überall da, wo der Umgang mit Software zum Tagesgeschäft gehört.

So können die Vorteile der EDV auch im Bereich Training sinnvoll genutzt werden.

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Eine Artischocken-Blüte

Der Mensch – ein Gewohnheitstier

Wie wir es anstellen, “gute Gewohnheiten” zu entwickeln und mit dem Inneren Schweinehund Lambada zu tanzen.

Also so rum kennen wir es: Wir haben so unsere Gewohnheiten entwickelt. Und kommen davon schon gar nicht mehr so leicht los.

Schema F“ halt.

In einer empfehlenswerten und gut lesbaren Einführung in die Psychologie von C. G. Jung bin ich vor Jahren schon auf ein Modell gestoßen, das mir in komplexen Situationen oft geholfen hat, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen.

Der Mensch - ein Gewohnheitstier

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Jung veranschaulicht seine Vorstellungen über die menschliche Wahrnehmung am chinesischen Taigitu-Symbol.

Er meint, im Lauf des jungen Erwachsenenalters kristallisiere sich bei jedem und jeder von uns eine „typische“ Weise heraus, wie wir die Welt wahrnehmen.

Der Mensch wird dann zum Gewohnheitstier. Doch die Konzentration auf das Eine gehe zwangsläufig mit einem Vernachlässigen des Anderen einher.

Wer es sich zur Gewohnheit gemacht habe, der Welt in erster Linie „denkend“ zu begegnen, werde seine persönliche „Höllenfahrt“ im Zusammenhang mit den eigenen Gefühlen erleben.

Umgekehrt werde der Gefühlsmensch dort an kaum überwindbare Grenzen stoßen, wo es um nüchtern-rationales Erwägen von Vor- und Nachteilen gehe.

Als ich mich mit dem Modell intensiver beschäftigte, wollte ich der Sache auf den Grund gehen: Wo sah ich selbst meine größten Herausforderungen? Worum ging es dabei?

Und die mir vertrauten Menschen: Worin erkannte ich deren größte Stärken … und wobei musste ich rechnen, dass sie Schwierigkeiten haben würden?

Das Modell erwies sich in vielen Fällen als sehr hilfreich.
Soweit der eher trockene Teil der Geschichte.

Lambada

Nun hatten wir uns vorgenommen, unser Gewohnheitstier besser kennen zu lernen und zu zähmen.

Wir wollten „die Flügel heben“ (nein, ich denke dabei nicht an Matthias Strolz und seine Neos), uns über die einengenden Mauern gewohnter Pfade hinwegheben … mit unserem Inneren Schweinehund Lambada tanzen.

Lambada tanzen?

Ja. Den Inneren Schweinehund an’s Gängelband zu nehmen nützt uns nämlich meist recht wenig. Das ist so wie mit allen Hunden. Die werden nun mal nicht freundlicher, wenn man sie anbindet oder wegsperrt.

Wir müssen mit ihnen so richtig in Kontakt treten und uns mit ihnen ernsthaft auseinander setzen. Nur so lernen wir sie wirklich kennen und es kann gegenseitiges Vertrauen entstehen.

Also dann.
Auf die Tanzfläche, fertig, los:

Wahrnehmungsübung

Erinnern Sie sich an einen Konflikt, den Sie als junge/r Erwachsene/r erlebten. Worum ist es Ihnen dabei wirklich gegangen?

Gerade als junge Menschen kämpf(t)en wir oft leidenschaftlich genau um das, was uns wirklich wichtig ist.

Versuchen Sie im nächsten Schritt, die Spur dieses Themas quer durch Ihr weiteres Leben zu verfolgen. Wenn Sie damit auf der richtigen Fährte sind, werden die Erinnerungen jetzt schon sprudeln.

Wirklich spannend wird’s dann beim nächsten Schritt.

Kennen Sie einen Menschen, der mit diesem Thema völlig anders umgeht? Der dazu eine komplett konträre Einstellung hat?

Versuchen Sie, diesen Menschen besser zu verstehen.
Ich meine: wirklich zu verstehen.

Versuchen Sie, diesen Menschen von  Herzen gerne zu verstehen. Machen Sie eine „gute Gewohnheit“ daraus, sich mit ihm oder ihr konstruktiv auseinander zu setzen – grad so, als wäre es ein Teil von Ihnen selbst.

Lernen Sie, den spannungsgeladenen Tanz der Gegensätze aus- und aufrecht zu halten. Sie werden staunen, was das kann!

Zwei Rosenblüten

Lebensmitte – die besten Jahre!

War’s das? Hat mich vor Jahren ein befreundeter Arzt gefragt. Er hatte sich  gerade endgültig etabliert und alles schien „auf Schiene“ zu laufen.

Ist es das? Hab ich mich selber gefragt. Als ich vor über 10 Jahren einen tollen Job aufgab und das „Abenteuer Selbständigkeit“ begann.

Das ist sie: Die Lebensmitte. Rushhour des Lebens.

Wenn Sie auch zu jenen Menschen gehören, die sich bereits ihre Sporen verdient haben und jetzt „mitten drin“ stecken: dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Lebensmitte – die besten Jahre!

Da gibt es diese Empfehlung.  Was ein Mann in seinem Leben alles verwirklicht haben sollte – und es gibt diese Liste natürlich in verschiedenen Versionen.

  • Einen Baum pflanzen.
  • Ein Haus Bauen.
  • Eine Familie gründen.
  • Ein Kind in die Welt setzen.
  • Ein Buch schreiben.

Über eine entsprechende Empfehlung für Frauen ist mir bis dato nichts bekannt – aber auch die Damenwelt ist fraglos mit einer ganzen Reihe von Ansprüchen und Erwartungshaltungen konfrontiert.

No question.

Nun haben Bäume die Eigenschaft, Früchte und Blätter zu produzieren – und eine Menge Äste, die mit einiger Regelmäßigkeit gestutzt werden wollen.

Das Haus braucht einen neuen Anstrich, die Familie will gepflegt und der Nachwuchs ausgebildet werden.

Das mit dem Buch … naja: Memoiren liegen im Trend.

Doch was tun, wenn im Spannungsfeld zwischen beruflichen Anforderungen, Erwartungen der eigenen Familie und möglicherweise bereits pflegebedürftiger Eltern … rein gar nichts mehr geht?

Coaching-Tipp: Lebensmitte – die besten Jahre!

Eins vorweg: Überforderung ist allgegenwärtige Realität und das tägliche Scheitern part of the game.

Wer seine Grenzen nicht immer wieder überschreitet schöpft sein Potenzial nicht aus.

Gerade in der Lebensmitte ist das Leben am Rande und außerhalb der Komfortzone die Normalität und die „krisenfreie Zeit“ mehr die Ausnahme als die Regel.

Mit den folgenden Erfolgsrezepten geht Vieles leichter:

1. Barmherzigkeit üben

Barmherzigkeit – was für ein Wort – in erster Linie gegenüber sich selbst.

Das Erkennen und Anerkennen eigener Grenzen ist ein guter Anfang. Bäume wachsen nun einmal nicht in den Himmel.

Wo Grenzen immer wieder gekreuzt und ausgelotet und letztlich als real anerkannt werden, können wir uns sicher sein, dass wir unser Leben in seiner ganzen Fülle ausgekostet haben.

Up to the limit. Das ist doch schon mal was, oder?

2. Die Kraftquelle entdecken – und pflegen!

Anzuerkennen, dass die offenen Baustellen nicht weniger  und die eigenen Ressourcen nicht mehr werden ist das Eine.

Das Andere ist es, eine persönliche Kraftquelle zu entdecken – und zu pflegen!

Für einen meiner ersten Kunden war es das Melken seiner Kühe.

In dieser ruhigen Zeit ließ er seinen Tag revue passieren und fand zu neuer Kraft, Inspiration und zu kreativen Lösungen für alle möglichen Probleme.

Nun hat halt nicht jeder gerade eine Kuh im Garten herumstehen.

Der regelmäßige Rückzug zu einer einfachen Tätigkeit, bei der wir das Denken einmal beiseite legen und ganz für uns sein können lässt sich aber natürlich auch anderweitig bewerkstelligen.

Vorschläge gefällig?

Gartenarbeit. Sport. Malen. Basteln. Tanzen. Kochen. Spielen.

Sagen Sie nicht, da sei nichts für Sie dabei.
Finden Sie Ihr eigenes „Ding“!

3. Humor

Humor – was täten wir, wenn wir den nicht hätten. In all seinen Formen.

Leicht und spritzig. Wild und unbändig. Dunkler, schwarzer, böser Humor.

Humor hilft, wenn mal was kaputt gegangen ist.

Humorvoll belüftet können die produzierten Scherben leichter verrotten statt zu vergammeln und aus scheinbarem Versagen wird Düngemittel für neues Wachstum.

Humor ist wenn man trotzdem lacht. 🙂

***

Sich den vielfältigen Aufgaben der Lebensmitte kraftvoll und präsent stellen – mit beiden Beinen auf der Erde, einem im Lauf der Jahre immer besseren Gespür für die tatsächlichen Grenzen und der Fähigkeit, über sich selbst zu Lachen.

Das sind sie. Die besten Jahre.

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Rainer Müller

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Belastungen werden von unterschiedlichen Menschen auch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Was hat es mit dem Thema „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ tatsächlich auf sich – und wie kann damit umgegangen werden?

Belastungen durch die Arbeitsumstände (Menge, Zeitdruck etc.) werden von Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen und bewältigt.

Jeder Mitarbeiter entwickelt hierfür individuelle Strategien und handelt nach ihnen – meist intuitiv und beruhend auf Erfahrungen, die in früheren Lebensphasen gemacht wurden. Manche von ihnen sind in den aktuellen Situationen jedoch wenig nützlich oder führen nicht dazu, dass Stress adäquat bewältigt wird.

Die Folgen sind zunächst einfache Belastungssymptome, wie Konzentrationsschwierigkeiten, eine höhere Fehlerquote, Gereiztheit (z. B. im Kundenkontakt), Schlafstörungen, Grübelschleifen, Ängste etc. Allein das kann dem Unternehmen viel Geld kosten.

Noch teurer wird es, wenn diese Probleme ungelöst bleiben und zu langwierigen Krankschreibungen führen (z. B. wegen eines Burnouts).

Man könnte also sagen, wir haben uns in sehr frühen Jahren einen individuellen Umgang mit spezifischen Problemsituationen antrainiert – und verhalten uns heute noch meist mehr oder weniger gleich?

Ja, in etwa so könnte man es formulieren. In der frühen Kindheit lernt der Mensch sich fortzubewegen und auf seine Umwelt so zu reagieren, dass grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden. Jene Bewegungsmuster, die funktionieren, werden abgespeichert und immer wieder angewendet.

Nach ein paar Wiederholungen lassen sie sich durch eine jeweils spezifische Verhaltens- bzw. Handlungsabsicht aktivieren und laufen dann wie von selbst ab, ohne dass sich das Kind weiterhin auf die Einzelbewegungen bzw. auf die Reihenfolge des Bewegungsablaufes konzentrieren muss.

Dieser Automatismus ermöglicht es ihm, seine Aufmerksamkeit auf (andere) Aspekte der Situation zu richten. So kann es etwas tun und gleichzeitig an etwas anderes denken. Das Wissen um die Einzelbewegungen gerät dann immer mehr in „Vergessenheit“ und wird meist nur noch unbewusst abgerufen.

Ähnlich verhält es sich auch mit komplexeren (sozialen) Verhaltensmustern. Hat ein Kind gelernt, was es tun muss, um ein bestimmtes Bedürfnis erfüllt zu bekommen oder Schmerz zu vermeiden, wird es immer wieder versuchen, mittels dieses Verhaltens erneut an sein Ziel zu gelangen.

Hat sich ein Verhaltensmuster im Laufe der ersten Lebensjahre als besonders hilfreich erwiesen, kann dies dazu führen, dass das entsprechende Muster übergeneralisiert und damit zu einem festen Bestandteil der Persönlichkeit wird, welches sich im weiteren Verlauf des Lebens störend auswirken und zu stetig wiederkehrenden Konflikten oder Schwierigkeiten führen kann.

Nun wissen – oder ahnen wir zumindest – welche fatalen Folgen ein nicht adäquater Umgang mit Belastungen nach sich ziehen kann. Doch welche Möglichkeiten gibt es in der Praxis, derartige Fehlentwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen – und vor allem zu verhindern?

Hierfür bietet es sich an, mittels gezielter Fragen herauszufinden, welche konkreten Arbeitsumstände von Mitarbeitern als belastend empfunden werden und wie sich diese auf ihr Leistungsvermögen auswirken.

Mittels lösungs- und ressourcenfokussierender Fragetechniken können anschließend individuelle Strategien für einen gesundheitsförderlichen Umgang mit den entsprechenden Stressoren entwickelt werden.

Manchmal können auch kleine Veränderungen in der Einstellung eines Mitarbeiters oder im Arbeitsablauf aus einer Belastung eine (leicht) zu bewältigende Aufgabe machen, und potenziell dazu beitragen, den Krankenstand zu reduzieren – zum Wohle aller Beteiligten.

In der praktischen Beratungsarbeit stoßen wir in vielen Unternehmen durchaus auf große Zustimmung, wenn es es darum geht, psychische Belastungen zu reduzieren. Gleichzeitig werden wir allerdings auch immer wieder mit der kritischen Frage konfrontiert wie sich so etwas wie psychische Belastung vernünftig messen lässt.

Seit August 2013 sind psychische Belastungen am Arbeitsplatz im Gefährdungskatalog nach §§ 5, 6 ArbSchG enthalten. Eine einfache und zugleich gute Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über die Gefährdungsfaktoren im eigenen Betrieb zu verschaffen, bieten die Checklisten zur Erfassung von Fehlbeanspruchungen (ChEF) der (deutschen) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie können im Internet kostenlos heruntergeladen und von den Mitarbeitern selbst ausgefüllt werden. Abgefragt werden darin die Kategorien „Stress“, „Psychische Ermüdung“, „Monotonie“ und „Psychische Sättigung“.

Fraglich ist allerdings gerade in kleineren Betrieben, wo die Anonymität einer solchen Befragung nur sehr bedingt gewährleistet werden kann, ob Mitarbeiter es tatsächlich offen zugeben würden, wenn sie sich durch die bestehenden Anforderungen „überlastet“ fühlen. Zudem bemerken viele Betroffene erst dann, dass sie den Belastungen nicht mehr gewachsen sind, wenn sie bereits am Ende ihrer Kräfte sind. Bis dahin ist es eher typisch, dass immer mehr Energie dafür aufgewendet wird, sich zusammenzureißen und gewisse Auffälligkeiten (wie z. B. eine erhöhte Fehlerquote, Schlafstörungen oder vermehrten Alkoholkonsum) zu beschönigen oder auszublenden.

Eine weitere Schwierigkeit dieser Art Fragebögen liegt darin, dass bei den darin benannten Faktoren nicht klar wird, warum diese überhaupt als Belastung empfunden werden. Nicht jeder potenzielle Stressor erzeugt schließlich bei jedem Menschen die gleiche Art von Stress!

Das Resilienz-Konzept geht davon aus, dass Menschen mit Belastungen unterschiedlich gut umgehen können. Die Energie, die dem Einzelnen dafür zur Verfügung steht, potenziellen Stressoren so zu begegnen, ohne dass die Leistungsfähigkeit oder die gesundheitliche Stabilität beeinträchtigt werden, ist im hohen Maße abhängig von individuellen Ressourcen, die sich u. a. aus der motivationalen Einstellung sowie aus der Ausprägung verschiedener Persönlichkeitseigenschaften und Kompetenzen ergeben.

Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass je mehr die verschiedenen Anforderungen im Arbeitsalltag miteinander im Konflikt stehen, umso höher ist auch der Energieaufwand, der geleistet werden muss, um ihnen gerecht zu werden bzw. um in diesem Spannungsverhältnis bestehen zu können. Dieses (empfundene) Konfliktpotenzial lässt sich inzwischen relativ genau messen, z. B. mit dem vom ap Institut für Wirtschaftspsychologie entwickelten Mental-Screening.

Die Messergebnisse werden dabei mit den individuellen Ressourcen abgeglichen und geben Aufschluss darüber, wie ein Mitarbeiter individuell darin unterstützt werden kann, mit den bestehenden Anforderungen besser zurechtzukommen.

Was kann ein Unternehmen tun, das die klare Absicht hat, hier aktiv zu werden – Welches Vorgehen hat sich hier in der Praxis bereits bewährt?

Es gibt eine Vielzahl von Workshops und Seminaren zu diesem Thema. Wichtig ist es m. E., dass mit Beispielen oder Fällen aus der Praxis des jeweiligen Unternehmens gearbeitet und auf die speziellen Arbeitsbedingungen geschaut wird, da es kein Allheilmittel gegen psychische Belastungen gibt.

Zentral dabei ist vor allem die Haltung der Führungskräfte, d. h. wie es ihnen gelingt, auf ihre Mitarbeiter zuzugehen und sie bei Problemen gezielt zu unterstützen. Vorbehalte und Berührungsängste sollten diskutiert und ausgeräumt werden. Als Leitbild dient hierbei das HILFE-Konzept: Hinsehen, Initiative ergreifen, Leitungsfunktion wahrnehmen, Führungsverantwortung übernehmen (Fördern und Fordern) und im Bedarfsfall Experten hinzuziehen.

Auch die Frage, was „psychische Gesundheit“ überhaupt ist bzw. wie sie sich erhalten lässt, sollte erörtert werden.

Welche besonderen Erfahrungen machen Sie in Ihrer tagtäglichen Auseinandersetzung mit dem Thema als Psychologe?

Als Diplom-Psychologe und systemischer Coach unterstütze ich Unternehmen und Betroffene, wenn es darum geht, Wege zu finden, mit psychischen Belastungen und Stress umzugehen und/oder als Führungskraft darauf zu reagieren.

Die konkreten Themen in den Einzelgesprächen sind vielfältig. Mein Anliegen ist es, vor allem Menschen in Krisensituationen zu unterstützen, neue Perspektiven für sich zu entwickeln. Psychische Erkrankungen behandle ich nicht therapeutisch. Aber mein Wissen über sie und ihre Behandlungsmethoden hilft mir dabei, die Dringlichkeit eventuell erforderlicher oder den potenziellen Nutzen möglicher Schritte einzuschätzen und diese ggf. fachlich begründet vorzuschlagen.

Grundsätzlich habe ich ein sehr optimistisches (humanistisches) Menschenbild, d. h. dass ich davon ausgehe, dass persönliches Wachstum jederzeit für jeden möglich ist und wir die Lösung der meisten unserer Probleme in uns tragen. Dass auch die Rahmenbedingungen bzw. das System, in dem sich jemand bewegt, eine wesentliche Rolle spielt, steht dabei außer Frage.

Allerdings berate ich Unternehmen nicht dahingehend, wie sie strukturell gegen psychische Belastungen vorgehen sollten, und ich biete kein Konzept für ein BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) an.

Mein Fokus richtet sich darauf, wie Führungskräfte oder Teams ihre Situation wahrnehmen und wie es gelingen kann, einen adäquaten Umgang mit diesem Thema im Arbeitsalltag zu etablieren. In meinem Blog schreibe ich regelmäßig darüber und versuche, konkrete Hilfestellungen anzubieten.

Und wegen der Frage nach einem adäquaten Umgang engagieren Sie sich auch für das Thema „Mobbing“?

Psychosozialer Stress entsteht natürlich auch durch Konflikte. Wird daraus Mobbing, kann das zu schweren seelischen Verletzungen führen und der Schaden für das betroffene Unternehmen immens sein. Nicht allzu selten wird daraus eine Kostenspirale und endet mit dem Suizid eines (ehemaligen) Mitarbeiters oder Kollegen.

Seit März 2012 bemühe ich mich deshalb darum, im Rahmen der Moderation eines Forums zum Thema „Mobbing“ eine interdisziplinäre Vernetzung sowie einen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Auf der Webseite www.fachforum-mobbing.de finden sich zudem umfangreiche Informationen und Unterstützungsangebote aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Selbst biete ich akut Betroffenen allerdings keine Beratung an, sondern verweise ggf. auf entsprechende Vereine oder Organisationen. 

Als Diplom-Psychologe und systemischer Coach ist Rainer Müller seit über zwölf Jahren als Dozent, Trainer und Berater für verschiedene Institute bzw. Einrichtungen und Unternehmen tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind der Umgang mit psychischen Belastungen sowie die Krisenintervention. Viele Jahre war er mit der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit einer chronischen oder schweren psychischen Erkrankung bzw. Schwerbehinderung beim Integrationsfachdienst sowie im Rahmen der beruflichen Rehabilitation betraut. Seit 2006 unterrichtet er verschiedene Grundlagenfächer der Psychologie und psychotherapeutische Verfahren.

Kontakt:
Rainer Müller, Burchardstraße 20, 20095 Hamburg
Tel +49 175 1503935

Web:
www.psyche-und-arbeit.de
www.fachforum-mobbing.de