Sich neu erfinden

Wollen – oder müssen – Sie sich wirklich neu erfinden? Bevor Sie jetzt allzu schnell „ja“ sagen, prüfen Sie, ob es nicht doch mehr die sprichwörtliche „Flucht nach vorne“ ist, mit der Sie Unangenehmem ausweichen und die Flinte allzu schnell in’s Korn werfen.

Wenn Sie jedoch erkennen, dass Sie ein totes Pferd reiten, ist es so weit, sich ganz neu zu erfinden. Der österreichische Nationalökonom und Finanzminister Josef Schumpeter nannte es „schöpferische Zerstörung“: Nicht mehr förderliche Strukturen und Verfahren werden verdrängt und schließlich zerstört. Diesem Prozess unterliegen Gesellschaften, Branchen, Unternehmen … wie auch jede und jeder Einzelne.

Sich neu erfinden – die harte Tour

Fakten schaffen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Verkaufen Sie Ihre Firma, Ihr Haus, Ihre Existenzgrundlage. Trennen Sie sich von bislang wichtigen Führungskräften, Partnern, möglicherweise sogar Ihrem Lebenspartner. Das ist nicht jedermanns Sache, wird Ihnen auch niemand guten Gewissens empfehlen können. Aber es wirkt.

Sich neu erfinden – die sanfte Tour

Die benötigt meist etwas Zeit – gut investierte Zeit. Und wenn die nicht wirklich vorhanden ist, zumindest eine professionelle Begleitung: Sauber herausarbeiten, was Ihnen persönlich wirklich, wirklich wichtig ist … wofür Sie imstande sind, zu brennen. Auch hier stehen Sie vor schwerwiegenden Entscheidungen. Und niemand – auch Sie selbst nicht – kann zu Beginn der Reise einschätzen, wie Ihre Psyche reagiert, wenn die große Transformation beginnt, sich ihren Weg zu bahnen.

Doch gibt es ein paar bedenkenswerte Tipps, an denen Sie sich orientieren können:

5 Tipps, wie Sie sich neu erfinden

#1 – Inventur Ihrer Potenziale

Rufen Sie sich Ihre bisherigen Highlights in Erinnerung: Wann waren Sie das letzte Mal so richtig im „flow“. Erinnern Sie sich an die Zeiten, in denen die Dinge wie von selbst gelaufen sind, an denen Sie einfach nur Freude über Ihre Arbeit empfunden haben. Setzen Sie dabei den Rahmen bewusst möglichst weit: Scannen Sie Ihre Vergangenheit nach diesen Momenten und finden Sie heraus, was diese Momente gemeinsam haben.

Sie können davon ausgehen, dass Ihre Jugendzeit eine ganz besondere Fundgrube für diese Momente bereithält. Sammeln Sie, was Sie bereits damals und auch noch (viel) später so richtig begeistert hat.

#2 – Inventur Ihrer Ängste

Niemand kann Ihnen ernsthaft versprechen, dass Veränderung immer auf rosa Wolken daherkommt. Schön, wenn’s so ist. Häufig gehen Veränderungsprozesse jedoch mit schmerzhaften Momenten des Loslassens und der Konfrontation mit eigenen Ängsten und Unsicherheiten einher. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie das erste Mal auf einem Fahrrad ohne Stützrädchen, auf einem Motorrad oder auf dem Skateboard gestanden haben? Erinnern Sie sich an dieses eine erste Telefonat mit einem Kunden, dieses wichtige Bewerbungsgespräch oder die Prüfung (die Sie letztlich doch mit Bravour bestanden haben)?

Auch hier mag Ihre Jugendzeit wertvolles Material für Sie bereithalten. Wachstum ereignet sich in aller Regel außerhalb der Komfortzone. Auf dem (gedanklichen) Sofa wurden noch selten Meisterleistungen erzielt.

Ein wertvolles Tool zum Umgang mit Ängsten finden Sie zum Beispiel in Katie Byrons Ansatz „The Work“.

An dieser Stelle nur kurz die zentralen Punkte:

  1. Identifizieren Sie eine Situation, in der jemand Sie in Angst und Schrecken versetzt hat.
  2. Formulieren sie – ganz politisch unkorrekt – was Sie dieser Person vorwerfen.
  3. Stellen Sie sich ehrlich die Frage, ob dieser Vorwurf zu 100% wahr ist.
  4. Überprüfen Sie, was mit Ihnen passiert, wenn Sie sich in diesem Vorwurf suhlen.
  5. Überprüfen Sie, was alles möglich wäre, wenn Sie anders darüber denken würden.

Eines von vielen praktischen Anwendungsbeispielen finden Sie zum Beispiel hier.

#3 – Inventur Ihres Denkens

Mit unserem Denken erschaffen wir unsere Wirklichkeit. „Egal ob du glaubst, du schaffst es oder ob du glaubst, du schaffst es nicht … du wirst immer Recht behalten.“ Dieses Henry Ford zugeschriebene Bonmot hat sich auch in Ihrem Leben bereits vielfach bestätigt. Finden Sie diese Zusammenhänge in Ihrer eigenen Geschichte und erkennen Sie, wie spannend es sein kann, Ihr Denken zu verändern.

Beobachten Sie sich einmal selbst. Ein guter Anknüpfungspunkt ist dabei Ihre Sprache, mit der Sie Ihr Denken zum Ausdruck bringen: Was alles sagen Sie im Lauf einiger Stunden über sich, über Andere, die Politik, … . Alles, was Sie dazu brauchen, ist ein Stift, ein Blatt Papier … und ein wenig Mut. Fassen Sie Zusammengehörendes zusammen, so kommen Sie rasch auf erste Glaubenssätze, mit denen Sie gezielt arbeiten können.

„Ich bin nicht gut genug“ – „Er/Sie ist dumm“ – „Die sind alle korrupt“ … Aussagen wie diese werden Ihnen für Ihren Neustart kaum hilfreich sein. Packen Sie die Herausforderung beim Schopf und trainieren Sie ganz bewusst ein anderes Denken:

„Ich engagiere mich mit meinem ganzen Talent“ – „Ich habe dich noch nicht ganz verstanden“ – „Da kenne ich die Hintergründe zu wenig“ … Aussagen wie diese haben einen positiven Kern und aktivieren Ihr Potenzial, statt Sie zu behindern.

#4 – Das Igel-Prinzip

„Energy flows where the attention goes“ – war es wirklich Albert Einstein, der dieses Wort geprägt hat? Das ist wohl eine jener Fragen, die uns mit ziemlicher Sicherheit nicht wirklich weiterbringen. Von weit größerer Bedeutung hingegen ist, dass wir den Fokus auf die Inhalte richten, die für uns wirklich relevant sind.

Das Igel-Prinzip hat sich dabei immer wieder als wertvolles Hilfsmittel erwiesen: Malen Sie auf ein großes Blatt Papier 3 sich überlappende Kreise und sammeln Sie in den entsprechenden Kreissegmenten alle ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen:

  • Kreis 1: Was ich von Herzen gerne tue
  • Kreis 2: Womit ich Anderen einen konkreten Nutzen schaffen kann
  • Kreis 3: Worin ich das Talent habe, (bald) zu den Besten zu gehören

Wenn Ihnen die Arbeit mit dem Igel-Prinzip zusagt, werden Sie möglicherweise eine ganze Reihe solcher Arbeitsblätter ausfüllen, mit denen Sie Ihre Neuaufstellung vorbereiten und genau das finden, was „Ihr Ding“ ist: Was Sie gerne tun und von Ihrem Umfeld oder Ihrer Zielgruppe geschätzt wird und worin Sie das Talent haben, (bald) zu den Besten zu gehören.

Wenn Sie sich mit dem Igel-Prinzip näher auseinandersetzen möchten: Jim Collins widmet diesem Prinzip in seinem Buch „Der Weg zu den Besten“ ein ganzes Kapitel.

Darts - Sich neu erfinden

Defranceschi (c)

#5 – go for it!

„Es gibt nichts Guten, außer man tut es“, meint nicht nur Erich Kästner. Auch wenn die ersten Meilen in neuen Stiefeln die eine oder andere Blase an den Fersen mit sich bringen: Sich neu erfinden – Packen Sie’s an und bleiben Sie dran, es lohnt sich. Schließlich ist es wirklich „Ihr Ding“.

***

Zeiten des Umbruchs stellen uns manchmal vor scheinbar unlösbare Probleme. Sie können uns schon mal den Atem nehmen, uns lähmen und uns existenziell in Frage stellen.

Tipps wie diese bieten Ihnen dazu Impulse und sollen die Lust wecken, „Ihr Ding“ in Angriff zu nehmen. Wenn Sie dabei professionelle Unterstützung wünschen, scheuen Sie nicht, sich bei mir für ein kostenloses Erstgespräch zu melden.

Ihr persönlicher Kontakt: michael@defranceschi.at

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Selbstführung in schwierigen Zeiten

3 Tipps zur Selbstführung in schwierigen Zeiten

Tipp #1: Nehmen Sie’s sportlich

Selbstführung in schwierigen Zeiten kann Spaß machen:

  • Schauen Sie genau hin.
  • Akzeptieren Sie die Umstände, wie sie sind.
  • Machen Sie das Beste daraus.
  • Seien Sie dankbar für das, was Ihnen gelingt.

Schauen Sie genau hin. Ohne schönzufärben, ohne zu dramatisieren. Nicht alles ist Gold, was glänzt und nicht alles eine Katastrophe, nur weil es Sie auf dem falschen Fuß erwischt.

Akzeptieren Sie die Umstände, wie sie sind. Nüchternes Wahrnehmen mit allen Sinnen, ohne dabei in einem Meer von Emotionen zu ertrinken.

Machen Sie das Beste daraus. Ohne Hadern. Legen Sie Hand an, wo Sie gestalten können. Auch auf die Gefahr hin, dass nicht alles so klappt wie Sie sich das vorstellen.

Seien Sie dankbar für das, was Ihnen gelingt. So manche vermeintliche Niederlage entpuppt sich später als Glücksfall. Es ist müßig, auf scheinbar Misslungenes allzu viel Zeit zu verschwenden.

Tipp #2: Bauen Sie auf Ihre Intuition

Selbstführung in schwierigen Zeiten setzt bei Ihrer Intuition an:

  • Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.
  • Bleiben Sie mutig.
  • Nehmen Sie sich selbst ernst.

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bringen Sie ohnehin mit.

Bleiben Sie mutig. Halten Sie Analysephasen kurz und knackig. Jetzt ist die Zeit, auf krummen Zeilen gerade zu schreiben.

Nehmen Sie sich selbst ernst. Wirklich ernst. Weichen Sie Unangenehmem nicht aus, aber achten Sie dabei auf Ihre körperlichen Signale.

Tipp #3: Go with the flow

Selbstführung in schwierigen Zeiten erzeugt Flow:

  • Schaffen Sie sich Ihren „save space“.
  • Setzen Sie auf funktionierende Beziehungen.
  • Schauen Sie auf das, was gelingt.
  • Achten Sie auf Ihren Energiehaushalt.

Schaffen Sie sich Ihren „save space“ – kleine Inseln der Stabilität. Schon ein paar bewusste Atemzüge holen Sie in Ihren Körper zurück, wenn die Situation Sie zu erdrücken droht.

Setzen Sie auf funktionierende Beziehungen. Profitieren Sie von der „Schwarmintelligenz“ Ihrer unmittelbaren Kontakte. Das schafft neue Ideen und gibt Sicherheit. Niemand ist eine Insel.

Energy flows, where the attention goes. Schauen Sie auf das, was gelingt.

Achten Sie auf Ihren Energiehaushalt. Trinken, Ernährung, Bewegung, Erholung. Pflegen Sie Ihre persönlichen Kraftquellen und gehen Sie Energieräubern aus dem Weg – Sie wissen selbst, was Sie am meisten behindert.

***

Selbstführung in schwierigen Zeiten - ein Mann blickt in die Ferne

Selbstführung in schwierigen Zeiten

Schwierige Zeiten sind prall gefüllt mit Chancen. Lassen Sie getrost unbrauchbar Gewordenes los und konzentrieren Sie sich auf das Zukunftsfähige. Und wenn es so sein soll: Erfinden Sie sich neu!

„Nur wenige Menschen sehen ein, dass sie letztendlich nur eine einzige Person führen können und auch müssen. Diese Person sind sie selbst.“

Peter F. Drucker

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Glaskugel, in der sich die Welt spiegelt

Entscheiden – Realität und Wirklichkeit


Sie sind ein grundvernünftiger Mensch und verlassen sich bei Ihren Entscheidungen nicht gerne auf die Anzahl der Blütenblätter eines Gänseblümchens? Entscheiden lieber auf einer soliden Grundlage?

Im folgenden Coaching Tipp erfahren Sie, wie die Unterscheidung zwischen „Realität“ und „Wirklichkeit“ Ihnen dabei helfen kann, aus Entscheidungssituationen das Beste zu machen!

Entscheidungen erfordern Klarheit. Entweder – oder. Ja oder nein, Schwarz oder Weiß. Wer bei seinen Entscheidungen jedoch Realität und Wirklichkeit gleichermaßen berücksichtigt, kann sich auf so manches Abenteuer gefasst machen, das eine scheinbar einfache Entscheidungsfrage auslöst: Willst du dir als Firmenwagen einen Tesla kaufen?

Entscheiden – Realität und Wirklichkeit

Coaching-Tipp: Entscheiden - Realität und Wirklichkeit

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Die Realität ist für dich und mich die selbe: Farbwerte sind exakt festgelegt, wir alle wissen, was unter „Messer und Gabel“ zu verstehen ist und es steht außer Streit, was ein Kuss ist.

Die damit verbundenen Wirklichkeiten können jedoch sehr unterschiedlich sein: Die Farbe weiß wird in westlichen Ländern mit Reinheit, in Asien mit Trauer assoziiert. Beim Gedanken an „Messer und Gabel“ läuft nur einem kleinen Teil der Weltbevölkerung das Wasser im Mund zusammen – weltweit sind Stäbchen, das durchaus gepflegte Essen mit den Händen oder das Schlürfen aus entsprechenden Behältnissen state of the art. Und welche Bedeutung einem Kuss beigemessen wird, darüber sind sich nicht einmal die Kids einer einzigen Schulklasse einig.

Realität und Wirklichkeit können also völlig unterschiedliche Aspekte eines Sachverhalts sein – selbst bei scheinbar banalen Fällen wie der Auswahl eines Automobils. Umso mehr, wenn es um Zwischenmenschliches geht.

Coaching Tipp: Entscheiden – Realität und Wirklichkeit

Solide Entscheidungen berücksichtigen Realität und Wirklichkeit gleichermaßen – versuchen Sie es bei nächster Gelegenheit einmal mit diesem Selbstcoaching-Tool:

Schritt 1: Sammeln

Nehmen Sie wie beim Coaching-Tipp zum Thema Entscheidungsfindung ein Blatt Papier zur Hand und zeichnen Sie eine Matrix mit sechs Feldern auf:

Die X-Achse betrachten wir als Beziehungsachse mit den Kategorien „ich“ – „wir“ – „du“ (oder „die Anderen,wenn von der Angelegenheit ein größerer Personenkreis betroffen ist).

Die Y-Achse bildet die Aspektachse mit den beiden Kategorien „Realität“ und „Wirklichkeit“ ab.

Bei komplexeren Themen kann es schon mal sinnvoll sein, die Matrix als Puzzle aus 6 ganzen Seiten zu erstellen.

Coaching-Tool: Entscheiden - Realität und Wirklichkeit

Coaching Tool „Entscheiden“ – anklicken, ausdrucken, verwenden. Defranceschi © 

Jetzt nehmen Sie einen Stift zur Hand und tragen alle Informationen in das entsprechende Feld ein, die Sie bereits gesammelt haben. Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf, ohne sich selbst dabei zu zensurieren – nehmen Sie sich dafür 10 bis 15 Minuten Zeit:

  • Sie wollten sich als Firmenwagen einen Tesla kaufen? ich – Realität
  • Für Sie bedeutet diese Marke „Erfolg“? ich – Wirklichkeit
  • Ihr Chef sieht darin Verschwendung? du – Wirklichkeit
  • Sie können ein interessantes Angebot eines vertrauenswürdigen Händlers vorlegen? wir – Realität
  • Ihr Chef legt Ihnen 3 günstigere Alternativen zur Auswahl vor? wir – Realität
  • Sie können sich für keines der 3 Modelle erwärmen? ich – Wirklichkeit
  • Das Thema beginnt, Ihre Beziehung zu Ihrem Chef zu belasten? wir – Wirklichkeit

Schritt 2: Muster Erkennen

Wo sind die Felder, die überquellen vor Informationen – und wo jene, in denen Sie wenig oder vielleicht gar nichts eingetragen haben? Wir alle haben Gewohnheiten und pflegen Betrachtungsweisen, die uns allzu häufig kaum bewusst sind. Mit dieser einfachen Methode des Aspekte-Sammelns und –Kategorisierens machen Sie sich Ihre Denkspuren sichtbar … und damit verfügbar:

  1. Habe ich bei meinen Überlegungen alles berücksichtigt oder fehlen wesentliche Aspekte?
  2. Sehe ich das wirklich so oder ist meine Einschätzung „nur“ das Ergebnis meiner Gewohnheiten?
  3. Hilft mir diese Art mit dem Thema umzugehen tatsächlich weiter oder behindert sie mich eher?

Schritt 3: Fehlendes Ergänzen

Sie haben also möglicherweise erkannt, dass Sie Ihre eigene Wirklichkeit sehr stark berücksichtigen und die gemeinsame Realität und Wirklichkeit im Unternehmen aus dem Blick verloren haben – oder umgekehrt?

Kein Problem: Jetzt, da Sie diese Verzerrung erkannt haben, tun Sie sich deutlich leichter, das noch Fehlende zu ergänzen: Tun sie es und tragen Sie auch diese weiteren Aspekte in Ihrer Matrix ein – vielleicht mit einer anderen Farbe?

Schritt 4: Auswerten

Sie haben jetzt alle Aspekte des betreffenden Themas gesammelt? Sind zuversichtlich, dass Sie nichts Wesentliches mehr übersehen haben? Gut: Dann geht es jetzt an’s Auswerten:

Gehen Sie Feld für Feld durch und fassen Sie alle dort enthaltenen Einträge zusammen: Macht Ihnen das, was Sie dort lesen, Mut? Gibt es Ihnen Kraft und Zuversicht? Dann geben Sie dem Feld ein „+“ … oder vielleicht sogar ein „++“?

Verursachen Ihnen die dort enthaltenen Aspekte Kopfweh, wirken belastend oder kräfteraubend? Dann geben Sie dem Feld ein „-“ … oder vielleicht sogar ein „- -“?

Sie können hier nach Belieben mit Größe, Farbe oder mit Zahlenwerten und Skalen experimentieren – das Wichtigste ist, dass Sie sich ein vertiefendes Verständnis für Ihr Thema verschaffen: Betrachten Sie jetzt die „Spalten- und Zeilensummen“.

Wenn Sie die Spalten „ich“, „wir“ und „du“ zusammenfassen – gibt es eine Kategorie, die deutlich mehr positive Aspekte aus Realität und Wirklichkeit enthält oder sind die Kategorien ausgeglichen? Ist die „Wir-Dimension“ positiv hinterlegt und Sie erkennen, dass Sie gemeinsam am selben Strang ziehen oder kommen da eher Zweifel auf? Dann möchten Sie vielleicht etwas mehr Energie für den Zusammenhalt investieren … oder Sie erkennen, dass die Zeit reif ist für eine Veränderung?

Wenn Sie die Zeilen Realität und Wirklichkeit zusammenfassen – haben Sie zu Realität und Wirklichkeit einen ausgewogenen Zugang? Oder möchten Sie vielleicht einmal dem weniger beachteten Aspekt etwas mehr Aufmerksamkeit schenken?

Entscheiden – Realität und Wirklichkeit

Wundern Sie sich bitte nicht, wenn Ihnen die ernsthafte Auseinandersetzung mit einer scheinbar simplen Entscheidungsfrage wie der nach dem Erwerb einer spezifischen Automarke Antworten auf Fragen gibt, die Sie zuvor gar nie gestellt hatten. Das ausgewogene Einbeziehen von Realität und Wirklichkeit führt gerne zu solchen völlig unerwarteten Ergebnissen. 😉

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Glut und Feuer

Motivation – und wofür brennst du?

Motivation ist eine Freude – auf den ersten Blick zumindest. Und wofür brennst du?

Helge ist Motivation pur.

Helge ist Mitarbeiter eines gutgehenden IT Dienstleisters. In seinem Team arbeitet er mit 8 Kollegen zusammen. Gut die Hälfte davon arbeitet schon ewig hier – ein eingefleischtes Team, fast schon Inventar.

Und die Anderen? Die sind mehr so wie er: Sie packen jede günstige Gelegenheit zur finanziellen Verbesserung am Schopf, sammeln hier und dort Erfahrungen und ziehen rasch weiter zum nächsten, lukrativeren Job. Motivation pur könnte man meinen.

Danach gefragt, was er sich davon verspricht, bemerkt Helge lapidar, er wolle sich damit seinen Traum vom Eigenheim in prominenter Stadtrandlage erfüllen. Dass dahinter „nur“ der Wunsch steht, endlich von seinem Vater anerkannt zu werden, wird er erst Jahre später in einer Burnout-Klinik erkennen.

Helge ist Motivation pur. Er tut alles dafür, Anerkennung zu bekommen.

Anita ist Motivation pur.

Anita führt seit Jahren die wenig bedeutende Filiale eines bekannten Lebensmittel-Discounters in einem städtischen Randgebiet. Sie macht ihren Job gut. Erkennt und behebt aufkeimende Probleme im Team frühzeitig und steht ihren Mitarbeiterinnen auch bei privaten Problemen zur Seite. Dabei verliert sie doch nie das Geschäft aus den Augen. Ihr entgeht nichts. Sie behält stets die Übersicht, hält alles in Ordnung.

Als ihr die Führung der viel größeren und lukrativeren Innenstadt-Filiale angeboten wird, lehnt sie ohne lange zu überlegen ab: Nur keine Veränderung, nur keine Unordnung in ihrer kleinen, perfekten Welt zulassen!

Anita ist Motivation pur. Sie tut alles dafür, die Kontrolle zu behalten.

Daniel ist Motivation pur.

Daniel hatte sich als junger Erwachsener für eine Berufsausbildung als Bierbrauer interessiert, diesen Gedanken aber dann wieder aufgegeben. Er verbringt Jahre als Grafiker und später Texter in einer Marketingagentur. Da bringt ihn ein Kundenauftrag wieder in Kontakt mit seinem Jugendtraum. Prompt absolviert er eine Braumeister-Ausbildung und macht sich in der Folge mit einer kleinen Craft-Beer-Brauerei selbständig. Nach ersten Erfolgen übernimmt er sich, muss Konkurs anmelden und seinen Betrieb wieder schließen.

Heute ist Daniel Marketing-Leiter einer traditionsreichen Brauerei. Auf seine Erfahrung als Selbständiger blickt er mit verschmitztem Blick  zurück. Auch wenn das Ende schmerzhaft war, möchte er diese „geilste Zeit seines Lebens“ nicht missen.

Daniel ist Motivation pur. Er tut alles dafür, seine Ideen zu verwirklichen.

Motivation – und wofür brennst du?

So ist das mit der Motivation. Was auf den ersten Blick fraglos auf der Plus-Seite der Lebensbilanz zu verbuchen ist, birgt seine Tücken. Denn wer brennt, kann auch verbrennen.

In einem Einzelcoaching genauer hinzuschauen, aus welchen Quellen Motivation sich nährt, kann zu tiefgreifenden Erkenntnissen und wesentlichen Veränderungen führen.

Es macht eben einen Unterschied, welche Motivation hinter deiner Motivation steht. 😉

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Coaching Tipp: Allen Menschen recht getan ... Defranceschi Consulting: Brot

Allen Menschen recht getan

In Ihrem Team brodelt es. Das dringende Upgrade der Rechner verzögert sich, die Arbeitsbelastung steigt. Ihre Mannschaft läuft auf Reserve und bräuchte dringend Entlastung. Doch „Allen Menschen recht getan … ist eine Kunst, die niemand kann.“

Wenn Ihnen diese Situation (allzu) vertraut ist und Sie daran etwas ändern möchten, dann ist der folgende Coaching Tipp für Sie genau richtig:

Allen Menschen recht getan.

Sie sind jetzt vielleicht versucht, bei sich einen „Fehler“ zu orten. Klar: Wenn Sie „es“ nicht auf die Reihe bringen, könnte etwas mit Ihnen nicht stimmen.

Mitnichten.

Die Tatsache, dass Sie auf dieses Thema „anspringen“ weist wohl eher darauf hin, dass Sie ein hohes soziales Bewusstsein besitzen. Es ist Ihnen wichtig, dass es den Menschen gut geht und dass die Dinge zur Zufriedenheit möglichst Aller erledigt sind. Das verdient schon mal Respekt, oder?

Gleichzeitig.

Gleichzeitig stehen Sie in der Gefahr, mit den verfügbaren Ressourcen ungünstig umzugehen. Es ist eben nicht immer möglich, allen Ansprüchen gerecht zu werden … und wer könnte behaupten, dass alle Ansprüche auch berechtigt sind? Wer wollte bestreiten, dass auch berechtigte Ansprüche manchmal anderen, ebenfalls berechtigten Ansprüchen widersprechen? Wie oft haben wir selbst widersprüchliche Ziele, die sich gegenseitig ganz einfach ausschließen?

S’Füferle und S’Weggle

Dem alemannischen Volksmund ist seit Langem bekannt, dass man kaum ‚s’Füferle und s’Weggle“ haben kann. Das Brötchen hat seinen Preis und wer den nicht zu bezahlen bereit ist, wird es nicht bekommen. Dazu gibt es keine Alternative. Zumindest keine legale.

Es lohnt sich, hier etwas genauer hinzuschauen: Was passiert, wenn widersprüchliche Anforderungen an Sie herangetragen werden?

Wie gehen Sie damit um … und wie kommen Sie zu einer fairen, tragfähigen Entscheidung?

Coaching-Tipp: Allen Menschen recht getan

Die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu ändern zählt wohl zu den anspruchsvollsten Herausforderungen, denen wir im Coaching begegnen. Zu den lohnendsten auch.

1. Legen Sie sich fest.

Beginnen Sie mit einem kleinen Tagebuch und entscheiden Sie sich, das Thema wirklich anzugehen. Das braucht nicht unbedingt viel Zeit – aber eine bewusste Entscheidung.

2. Arbeiten Sie am Konkreten.

Wählen Sie eine beliebige Situation aus, in der Sie mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert sind und notieren Sie kurz die Eckpunkte:

  • Frau Müller möchte ihre Überstunden abbauen, ein verlängertes Wochenende mit der Familie in den Bergen verbringen … und dabei endlich wieder einmal die eigenen Batterien aufladen.
  • Ein wichtiger Bestandskunde hat gerade einen neuen Auftrag angekündigt.

Jetzt ist es wieder da: Dieses unangenehme Gefühl. „Allen Menschen recht getan …“ – aber wie sollen Sie sich jetzt wirklich entscheiden?

3. Schauen Sie genau hin.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um Ihre Handlungsoptionen auszuloten: Welche Vor- und Nachteile haben die Ihnen verfügbaren Varianten? Auf der Beziehungs- wie auf der Sachebene?

Versuchen Sie es doch einmal mit einer einfachen Wirkungsmatrix:

Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und zählen Sie die verfügbaren Optionen auf. In unserem Beispiel: Zeitausgleich gewähren oder ablehnen.

Jetzt führen Sie alle von Ihrer Entscheidung betroffenen Personen(kreise) an und detaillieren die beiden Handlungsoptionen in die besprochene Beziehungs- und Sachebene.

Defranceschi Consulting - Coaching Tipp: Allen Menschen recht getan ... Wirkungsmatrix (1)

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Bewerten Sie die Wirkung Ihrer Entscheidung auf jeder Ebene und für jede der betroffenen Personen(kreise) mit 2 (stark positiv), 1 (positiv), 0 (neutral), -1 (negativ) oder -2 (stark negativ). Der Rest ist „kleine Mathematik“.

4. Überprüfen Sie Ihr Ergebnis.

Ergänzen Sie die Grafik um Mittelwerte und Summen. Was ein Mittelwert ist? Ganz einfach: Zählen Sie Ihre Einträge in den Feldern „B“ und „S“ zusammen und dividieren Sie sie durch 2.

Ergänzen Sie die Grafik um die Spaltensummen.

Ermitteln Sie die Gesamtwirkung für „gewähren“ und „ablehnen“, indem Sie die jeweiligen Spaltensummen „B“ und „S“ zusammenzählen.

Jetzt ziehen Sie die Gesamtsumme für „ablehnen“ von der Gesamtsumme für „gewähren“ ab. Die Differenz zeigt Ihnen den Vorteil, den Sie durch die Variante „gewähren“ erzielen.

Defranceschi Consulting - Coaching Tipp: Allen Menschen recht getan ... Wirkungsmatrix (2)

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In unserem Fall ist das mit „-4“ ein recht deutlicher negativer Vorteil, also ein klarer Nachteil. Sie sind also gut beraten, den Zeitausgleich in diesem Fall nicht zu gewähren.

Selbstverständlich funktioniert das auch mit anderen Fragestellungen. 😉

5. Bleiben Sie dran.

Die „kleine Mathematik“ ist das Eine. Sie kann Ihnen im Einzelfall helfen, Klarheit zu schaffen und Tendenzen zu erkennen. Zu einem wirklich „guten“ Ergebnis finden Sie, wenn das Ergebnis Ihrer Wirkungsmatrix auch für Sie persönlich „stimmig“ ist. Und diese „Stimmigkeit“ erzielen Sie, wenn Sie diese Übung über einen längeren Zeitraum regelmäßig durchführen.

Denn die Fähigkeit, das eigene Verhalten zu ändern zählt wohl zu den anspruchsvollsten Herausforderungen, denen wir im Coaching begegnen. Zu den lohnendsten auch.

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