Kommunikation. Bitte Wartung drücken

Eigentlich sollte das auch ohne vertiefte technische Ausbildung keine große Sache sein: Einem eigens dafür geschaffenen Gerät eine Tasse Kaffee zu entlocken. Doch weit gefehlt.

Mag es an der persönlichen Tagesverfassung liegen, an der Mondphase, der ungünstigen Sternenkonstellation … oder doch nur am mehr oder minder zufälligen Zusammentreffen unterschiedlicher Wartungszyklen.

Manchmal bist du einfach dran. Mit allem. Länge mal Breite.

Bitte Wartung drücken.

Du versuchst, einem scheinbar einfachen technischen Gerät einen Hinweis zu geben: „Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee.“
Dafür gebe es einen eigenen Knopf, sollte man meinen.

Doch dann entpuppt es sich als Selbsterfahrungskurs par excellence: Das scheinbar schlichte technische Gerät macht auf Beziehungskiste und teilt dir zuerst einmal seinen Gemütszustand mit.

„Du, ja … da können wir schon darüber reden. Aber weißt du: eigentlich geht’s mir grad nicht besonders. Könntest du mal wsa für mein Wohlbefinden machen? So eine kleine Wartung vielleicht?“

Hm. Nun ja: Wenn’s weiter nichts ist, dann soll es eben so sein. Ich drücke den entsprechenden Knopf und rechne damit, dass die Welt damit wieder in Ordnung ist. Auch für die Kaffeemaschine.

Wirklich?

Bitte Wasser nachfüllen

So ganz scheint’s immer noch nicht zu passen. Die Schlacht zwischen Sach- und Beziehungsorientierung geht auch diesmal klar zugunsten letzterer aus – dabei bin ich wie mir scheint bei meiner Interpretation recht tolerant:

„Danke auch, das hat gut getan. Aber einen Kaffee? Um diese Zeit? Da mußt du schon zuerst mal was in unsere Beziehung investieren. Wie wär’s mit etwas frischem Wasser? Das wäre nett.“

Klar doch. Dauert ja nicht lange.

Kaffeebohnen nachfüllen

Irgendwie komme ich mir vor wie im Stau. Da gibt’s doch dieses wissenschaftlich nachgewiesene Phänomen, dass die auf der anderen Spur immer schneller vorankommen.

„Verdammt. Wo sind denn nur die Kaffeebohnen – und: Wo kann ich die denn bloß einfüllen!!??“

Auch diese Hürde ist schlußendlich geschafft – jetzt sollten wir uns dann aber mal auf’s Wesentliche konzentrieren können, oder?

Bitte Trester leeren

Mit leichtem Schwindel starre ich auf die hurtig über die Anzeige huschenden Nachricht … und vor meinem geistigen Auge verwandelt sie sich in folgenden Wortlaut:

„Du weißt du, unter Druck setzen mag ich mich nicht lassen. Wenn du mir so kommst, dann muss ich zuerst noch grad noch auf’s Klo. Und wenn du’s genau wissen willst: Ja. Ich mache das extra!“

Langsam wird mir klar, wieso manche Menschen behaupten, sie vertrügen keinen Kaffee.

Es schlüge ihnen auf den Magen.

Na also

Frei nach dem Motto „aufgeben gibt’s nicht“ lasse ich mich von derartigen Beziehungskisten nicht aus dem Konzept bringen. Schließlich verfolge ich konsequent und mit aller Kraft mein Ziel: Eine Tasse Kaffee.

Und tatsächlich. Ohne weiteres Federlesens beginnt die gute Apparatur zu schnurren und zu sprudeln.

Herrlich duftender, frisch angebrühter Kaffee ergießt sich in zwei zarten Strömen in die schaumbedeckte Tasse.

Es ist ein Hochgenuß, dem zuzuschauen – und vor lauter Begeisterung ob der endlich gelungenen Übung hätte ich beinahe übersehen auf „stop“ zu drücken, als die kleine Tasse bereits bedenklich voll war.

***

Eigentlich hätte ich mir nicht gedacht, dass sich das Bedienen einer Kaffeemaschine so unmittelbar übertragen läßt auf die zwischenmenschliche Kommunikation.

Doch scheint es sich nicht nur bei Maschinen zu lohnen, manchmal auf den Knopf „Wartung“ zu drücken.