Reputation Management – Was jenseits von Marketing wirklich wirkt

Eine Zugfahrt die ist lustig. Und man tut dabei etwas für die eigene Co2-Bilanz. Und gegen den Stau auf den Straßen. Und man kann arbeiten, statt nur sinnlos hinterm Lenkrad zu sitzen.

Zumindest in der Theorie.

Was eine Zugfahrt aber auf jeden Fall bietet: Einblick in die Lebenswelt der unterschiedlichsten Berufsgruppen. Beispiel gefällig?

Der Sportfunktionär

In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist. Das wussten schon die alten Griechen. Entsprechend positiv besetzt ist auch das Berufsbild des Sportlers: Engagierte, leistungswillige Menschen, die sich tüchtig fordern.

Ich mag das.

Als Karrierecoach für Spitzenathletinnen und Spitzenathleten begleite ich seit mehreren Jahren eine Reihe von Ausnahmetalenten. In Österreich ist das vorbildlich durch den Verein KADA – Karriere danach geregelt.

So weit, so gut.

Kurz vor Mittag, die 1. Klasse ist kaum zur Hälfte besetzt. Hier und da sind Laptops hochgefahren, nur ab und zu unterbricht ein kurzes, dezent geführtes Telefonat die Arbeitsatmosphäre. Es geht was weiter.

Zwei Stunden später liegt Knistern in der Luft. Der Herr drei Sitzreihen vor mir unterhält sich lautstark mit seinen Kollegen. Ein Mitreisender bittet höflich, aber bestimmt, das Gespräch etwas leiser zu führen – vergeblich.

Inzwischen – nach der zweiten Runde Bier scheint die Selbstkontrolle nicht mehr so recht zu funktionieren – weiß das ganze Abteil, dass es sich um einen Sportfunktionär handelt. Namen fallen, Zusammenhänge werden vollmundig ausgebreitet.

Das alles erfahren wir gratis. Es kostet nur … unsere Zeit.
Und der Berufsgruppe ein bisschen von ihrem guten Ruf.

Lokführer-Treff

Inzwischen ist es Nachmittag geworden. Die Fußballer sind gerade ausgestiegen und es kann wieder in aller Ruhe gearbeitet werden. Bis zur nächsten Station.

Eine lustige Truppe steigt zu – Party ist angesagt. Wieder wird Bier durch den Wagon gereicht. Schließlich wird hier auch am Platz bedient.

Erneut die Bitte, sich etwas leiser zu unterhalten. Wir werden höflich darauf hingewiesen, dass der Zug mit einem eigenen Ruheabteil ausgestattet sei. Dort dürfe man sich dann auch ungeniert beschweren, wenn jemand einen Laut von sich gebe.

In der Folge werden wir über das unterschiedliche Lohnniveau von Bahnbediensteten in Deutschland, Österreich und Ungarn informiert. Wir erfahren Einzelheiten über Dienstpläne, Urlaubsreisen in die USA und die neuen Mercedes-Modelle. Im Übrigen gehe es einem als Arbeiter inzwischen wirklich dreckig. Die reinste Sklavenarbeit sei das.

Das alles erfahren wir gratis. Es kostet nur … unsere Zeit.
Und der Berufsgruppe ein bisschen von ihrem guten Ruf.

Die Gewerkschaftstagung

Nach einer guten Stunde, in der an Arbeit nicht mehr zu denken ist, wird endlich ein Tisch im Speisewagen frei. Dort geht die Post erst wirklich ab. Die Eisenbahner verbrüdern sich mit einer Abordnung Gleichgesinnter, die direkt von einer Gewerkschaftstagung kommen.

Ich habe bereits den Laptop gegen eine Zeitung ausgetauscht. Vielleicht geht das noch. Dachte ich mir.

Inzwischen wird … nun ja: gesungen. Heimatlieder.

Ich mag es, wenn Menschen singen. Ich singe selber gerne. Eigentlich meistens im Auto – da ist man so schon ungestört.

Diesmal habe zumindest ich dann nichts mehr weiter erfahren.
Ich hatte dann doch die Gelegenheit genutzt, etwas Musik zu hören.

Mit Kopfhörer, versteht sich.
Man möchte ja schließlich die Mitreisenden nicht belästigen.

Reputation Management

Nun ist es eins, sich mal bei der Nase zu nehmen und sich ernsthaft zu überlegen, wie wir uns als Berufsgruppe, Unternehmen, Familien oder auch als Einzelpersonen in der Öffentlichkeit verhalten.

Jede/r liegt mal daneben.

Aber was heißt das für uns im professionellen Kontext?
Und welche Rolle wird Reputation Management in Zukunft spielen?

In einem spannenden Interview mit dem Titel Führung ist ein gesellschaftliches Thema vertritt der bekannte deutsche Honorarprofessor Peter Kruse eine brisante These.

„Ohne eine Reputation im gesellschaftlichen Kontext werden Unternehmen in Zukunft nicht mehr regional überlebensfähig sein.“

Und dabei geht es nicht um verhältnismäßig unbedeutende „Kollateralschäden“ die ein paar Feiernasen bei einem Duzend Mitreisenden im Zug anrichten. Der Ärger über ein paar verlorene Stunden im Zug ist ja bei den Meisten nach wenigen Tagen wieder verraucht.

Bedeutend brisanter wird das Thema, wenn soziale Netze ins Spiel kommen und entsprechendes (Fehl)Verhalten Einzelner schlimmstenfalls als negatives „Image-Video“ in den diversen Foren seine Kreise zieht.

Sensibilisierung – Aufmerksamkeit – Bewusstheit

Es gibt dafür eine Lösung. Und die spielt sich jenseits jeglicher glänzenden Image-Broschüren ab:

Die Entwicklung tragfähiger und belastbarer Unternehmensidentitäten und Sensibilisierung der eigenen Mitarbeitenden für diese existenziellen Unternehmenswerte.

  • Ein Sportverband, dem man die Begeisterung für körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt.
  • Eine Bahn, der es sichtlich ein Vergnügen ist, dich sicher und bequem ans Ziel zu bringen.
  • Eine Gewerkschaft, die sich ernstlich um die reale Lebenssituation der Menschen kümmert.

Das alles bekommen wir nicht gratis, es kostet etwas Hirnschmalz.
Und ehrliches Engagement.