Selbstreflexion – Die Kunst, dranzubleiben

Tipps, Tricks und Tools – damit es auch weiterhin ein fruchtbares Unterfangen bleibt, an sich selbst zu arbeiten.

Ok. Es ist also – wie in den vorangegangenen Artikeln beschrieben – möglich, mit ein paar recht einfachen Übungen aus dem Fahrwasser unserer Gewohnheiten auszusteigen und zu neuen Erkenntnissen zu kommen.

Das haben wir unter Anderem mit so einfachen Mitteln wie dem Verändern von Routinen oder dem Hinterfragen eines alten Konflikts festgestellt – oder etwas tiefer noch mit den 4 Schritten wahrnehmen – annehmen – dankbar sein – zurechtrücken.

Was alle diese Übungen gemeinsam haben: Es sind punktuelle Ansätze, mit denen wir durchaus Einmal-Effekte erzielen können. Doch um mit dem Inneren Schweinehund wirklich Lambada zu tanzen, braucht es ein bisschen mehr.

Wer weiter kommen will, muss dranbleiben.
Wer stehen bleibt, verliert.

Gute Gewohnheiten entwickeln

Jeder Musiker und jede Musikerin kennt die Erfahrung: Du investierst Stunde um Stunde für dieses eine Musikstück, diese Mozart - Dieter Schütz / pixelio.de - Selbstreflexion - Die Kunst, dran zu bleibenkurze Passage von wenigen Takten, die einfach nicht flüssig von der Hand geht – bis die Sequenz wirklich geradezu im Körper abgespeichert ist.

Leistungssportler berichten von derselben Erfahrung.

So wie wir ein Musikstück oder einen Bewegungsablauf geradezu in unseren Zellen abspeichern, können wir auch die Selbstreflexion verinnerlichen, so dass sie zu einem integralen Bestandteil unseres Alltags wird.

Von Wolfgang Amadeus Mozart ist dazu ein einfaches und wirksames Rezept mit nur 3 Zutaten überliefert:

Üben, Üben und Üben.

Selbstreflexion ja, aber wie?

Aus den unterschiedlichen Feldern der Psychologie (Introspektion), Philosophie (Phänomenologie) und Spirituellen Lehren (Kontemplation, Meditation) sind uns 3 Aspekte bekannt, die sich qualitätssichernd wie ein roter Faden durch alle Methoden durchziehen:

  1. Gewohnheitsmuster unterbrechen … STOP!
  2. Vom Objekt zum Subjekt … zu sich selbst!
  3. Annehmen, was ist … in offener Aufmerksamkeit!

Und noch eins. Egal wie Sie es anstellen wollen: Hauptsache regelmäßig. 😉

Selbstreflexion: Tipps

Gehen Sie einen angemessenen Weg, der zu Ihnen passt!

Für einen meiner ersten Kunden war es eine beschauliche, tägliche Routinearbeit. Für eine andere Kundin war es das Nordic Walking, das ihr den passenden Rahmen für ihre Selbstreflexion bot.

Für mich persönlich war es über lange Jahre die Zeit, die ich beim Fischen am Wasser verbrachte.

Finden Sie einen angemessenen Weg, auf dem Sie sich selbst etwas besser beobachten und immer mehr kennen lernen können. Etwas, das wirklich zu Ihnen passt.

Fordern Sie sich, aber überfordern Sie sich nicht!

Finden Sie etwas, an dem Sie über eine längere Zeit auch dranbleiben können. Denn die Zeit des Widerstands kommt mit Sicherheit, in der Sie die Sinnhaftigkeit solcher Übungen in Frage stellen.

Wenn Sie sich ein zu hohes Pensum zum Ziel setzen, werden Sie es nicht erreichen können.

Selbstreflexion: Tricks

Achten Sie auf einen ausgeglichenen Energiehaushalt.

Da gibt es diese kurze Geschichte von Stephen R. Covey zum Thema Zeitmanagement. Er berichtet von einem Mann, der mit aller Kraft – aber stumpfer Säge – versucht, einen Baum zu fällen.

Unsere ganze Kraftanstrengung nützt nur sehr wenig, wenn unser Werkzeug stumpf ist.

Ich bin zwar kein Freund davon, dem eigenen Wohlbefinden eine zu große Rolle beizumessen. Es gibt eben auch Zeiten, in denen wir uns sehr unliebsamen Aufgaben stellen und uns darin bewähren müssen.

Doch achten Sie darauf, dass Sie sich in einem vernünftigen Energiezustand halten. Mit Gewalt kommen wir hier genauso wenig weiter wie mit einer allzu laschen laissez-faire-Einstellung.

Setzen Sie sich ein SMARTes Ziel.

Wenn Sie sich in Zusammenhang mit Ihrer Selbstreflexion ein Ziel setzen, dann achten Sie darauf, dass es den folgenden Kriterien entspricht:

Spezifisch       …….     nicht allgemein, sondern ganz konkret
Messbar         …….     ohne Augenzwinkern, objektiv überprüfbar
Attraktiv           …….     keine zusätzliche Last, die pure Lust!
Relevant          …….     es macht einen spürbaren Unterschied
Terminisiert     …….     keine never-ending-story. Es hat ein Ende

Diese Kriterien haben sich beim Umgang mit persönlichen Zielen bestens bewährt – profitieren Sie hier von den jahrelangen Erfahrungen Anderer!

Selbstreflexion: Tools

Quod.X® – eCoach

Wer den Quod.X® – eCoach (dzt. nur als Online-Reflexion verfügbar) als Reflexionstool verwendet, sollte sich eine persönliche Routine für den regelmäßigen Umgang damit zurecht legen:

Wie oft und wann verwende ich die App?

Der Eine oder die Andere wird sich einen geeigneten Rahmen dafür suchen wollen – z.B. einen angenehmen Rückzugsort in den eigenen vier Wänden. Für weniger romantisch veranlagte Menschen ist es vielleicht auch die tägliche Heimfahrt in der U-Bahn.

Welche Fragestellung reflektiere ich?

Wer den eCoach regelmäßig einsetzt, für den könnte es sinnvoll sein, sich ganz von einer Fragestellung zu lösen und „frei“ zu reflektieren.

In diesem Fall erfolgt die Auswahl der Begriffe eben ohne direkten Bezug zu einer konkreten Fragestellung – einfach nur: Welcher dieser Begriffe spricht mich im Moment besonders an?

Technisch ist es für die Durchführung dieser Variante einfach nur erforderlich, im Eingabefeld für die Fragestellung die Leertaste zu drücken und auf weiter zu klicken.

Quod.X® – Onlinereflexion

Die Onlinereflexion bietet gegenüber der App den Vorteil, dass sie konkrete Lebensumstände berücksichtigt und statt mit vorgegebenen Begriffen mit Freitext arbeitet.

Dieses Instrument kommt in der Regel in der Arbeit mit Einzelpersonen zum Einsatz, die sich in einer Umbruchssituation befinden.  Sie verwenden es meist über einen Zeitraum von ein paar Wochen bis Monaten, um sich damit Klarheit über die nächsten Schritte oder Unterstützung bei einer konkreten Herausforderung zu verschaffen.

Die Auswertung erfolgt hier nicht mehr in Form von Textbausteinen wie in der App. Es gibt hier unterschiedliche grafische Darstellungsformen für Aufmerksamkeitsfokus, Zufriedenheit und wirksame Werthaltungen. Zusätzlich arbeiten wir hier üblicherweise mit 2-3 Einzelcoachings, meist in virtuellem Setting (Telefon / Facetime / Skype).

Formen der Selbstreflexion ohne Softwareunterstützung

Selbstverständlich gibt es auch eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie ohne Software-Unterstützung die Tagesreflexion zu einer guten Gewohnheit entwickeln können.

Tagebuch schreiben. Je nach persönlicher Neigung und künstlerischer Gestaltungskraft. Das Rote Buch von C.G.Jung ist wohl eines der prominenteren Tagebücher, die es zusätzlich zum selbstreflexiven Moment noch zu kultureller und künstlerischer Bedeutung gebracht haben. Meine eigenen Tagebücher haben mehr den Charakter eines Notizbuches.

Der Vorteil eines Tagesbuchs liegt für mich in der individuellen Note, der Nachteil: Ich kenne niemanden, der oder die diese Texte tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt wieder einmal liest …

Stille Zeit. Tägliche Praxis einer Form der Kontemplation, Meditation, Selbstreflexion – teilweise auch verbunden mit der Lektüre inspirierender Texte. Hier gibt es eine große Bandbreite zwischen unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen.

Als junger Mann habe ich mich über mehrere Jahre intensiv mit biblischen Texten beschäftigt – und daraus Lebenswissen, Verbundenheit mit unserer christlich-abendländischen Tradition und sehr viel persönliche Inspiration erhalten.

Im Lauf der Zeit fand ich Zugang zu mehr kontemplativen Ansätzen wie z.B. den kontemplativen Exerzitien eines Franz Jalics oder der Stille-Meditation, die es in unterschiedlichen spirituellen Traditionen (und auch gänzlich losgelöst von religiösen Kontexten) gibt.

Als Vorteil einer „Stillen Zeit“ sehe ich, dass dabei die Ebene der Sprache im Lauf der Zeit mehr in den Hintergrund und das konkrete Erleben in den Vordergrund tritt. Dieser Weg ist mit Sicherheit etwas anspruchsvoller und braucht in der Regel eine gute persönliche Begleitung.

Körperorientierte Zugänge wie Yoga, Tai Chi, Chi Gong und Atemübungen – bis hin zu sportlichen Aktivitäten. Unser Körper ist eine Bühne, auf der wir uns erleben, erfahren – zumindest dann, wenn wir in Kontakt mit unserem körperlichen Empfinden bleiben.

Eine für mich damals erstaunliche Erfahrung verdankte ich einer einfachen Aufwärmübung für einen der ersten ZEN-Kurse, an dem ich Ende der 90er Jahre teilnahm. Wir wurden vom Kursleiter dazu aufgefordert, mit einem Bein auf den Boden zu stampfen. Nach ein paar Minuten sollten wir auf den Unterschied in der Wahrnehmung unserer beiden Beine achten.

Ich war damals zwischen Beruf, der noch jungen Familie und einem anstehenden Bauvorhaben stark eingespannt. In dieser so einfachen Übung wurde mir plötzlich bewusst, wie wenig ich von meinem eigenen Körper überhaupt noch wahrnahm.

In der Folge entdeckte ich das Körperempfinden und entsprechende Übungen als hervorragendes Feedbackinstrument für meine persönliche Entwicklung.

Soziale Beziehungen. Jeder hat eins: Ein soziales Netzwerk, in dem wir uns bewegen.

Sei es die Familie, das berufliche Umfeld oder der Freundeskreis. Wann immer wir einander begegnen, werden wir uns zum Spiegelbild und zur Begegnungsfläche.

Eine der unscheinbarsten, aber trotzdem nicht zu unterschätzenden Wege der Selbstreflexion ist der schlichte Kontakte zu unseren Mitmenschen.

Insofern können wir auch das, was sich in unseren konkreten Beziehungen abspielt, als kontinuierliches Training der Selbstreflexion betrachten: Der Fußball-Club, die Darts-Runde, das freundschaftliche Gespräch bei Kuchen und Kaffee oder der Stammtisch.

Das ganz praktische Leben mit den konkreten sozialen Beziehungen ist Trainingsraum und Ziel der Übung gleichzeitig. Oder – um es in der ZEN-Sprache der Ochsenbilder auszudrücken: Der Hirte kehrt zurück auf den Marktplatz.

Literaturtipps

Vom Ego zum Selbst: Grundlinien eines spirituellen Menschenbildes

by Sylvester Walch [O.W. Barth]
Rank/Rating: 25835/-
Price: EUR 24,99


Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg

by Stephen R. Covey [GABAL]
Rank/Rating: 161/-
Price: EUR 24,90


Der 8. Weg: Mit Effektivität zu wahrer Größe

by Stephen R. Covey [GABAL]
Rank/Rating: 57478/-
Price: EUR 29,90


Das Rote Buch

by C. G. Jung [Patmos Verlag]
Rank/Rating: 161040/-
Price: EUR 198,00


Kontemplative Exerzitien

by Franz Jalics [Echter]
Rank/Rating: 91693/-
Price: EUR 19,50