Innovation – besser geht immer

Verbesserung. Innovation. Disruption. Besser geht immer – sagt man. Und vergisst dabei, wie schwer Veränderung fallen kann, wenn sie an tief eingegrabene Gewohnheiten rührt.

Schade eigentlich, wenn leidenschaftlich engagierte Persönlichkeiten den Anschluss verlieren, weil sie das Wichtigste aus den Augen verlieren: die eigene konsequente Weiterentwicklung.

Eine gute Gelegenheit, andererseits, für engagierte Persönlichkeiten, sich mutig mit neuen Ideen zu positionieren. 😉

Verbesserung

Franz ist Händler. Oder besser: War Händler. Messestände, Rollups, Theken und so. Sein Geschäft ist über Jahre hervorragend gelaufen. Dann hat er irgendwie die Entwicklung verschlafen. China-Ware, Webshops, Digitaldruck. Heute ist er erfolgreicher Vertriebspartner einer international aufgestellten Werbeagentur.

Als es sich bereits abzeichnete, dass er mit seinen Messeständen in’s Trudeln kommen würde – ein erster großer Kunde hatte sich für China-Ware eines Mitbewerbers entschieden – hatte er darüber nur den Kopf geschüttelt. Seine Partnerin Antje, die für ihn den Einkauf verantwortete, hatte ihn bereits zuvor mehrfach darauf angesprochen: So groß seien die Qualitätsunterschiede nicht mehr und die Marketing-Budgets so mancher Bestandskunden seien ganz offensichtlich spürbar reduziert worden. Ihr Vorschlag war bei Franz gar nicht gut angekommen: Zwischen Standard- und Premium-Qualität zu unterscheiden und damit den wie die Pilze aus dem Boden sprießenden billig-Anbietern ernsthaft etwas entgegen zu setzen.

Für Antje war das die Gelegenheit, sich auf die eigenen Beine zu stellen. Franz war darüber zwar verärgert, musste es aber letztlich doch zur Kenntnis nehmen, als sich Antje selbständig machte und ihre Vorstellungen selber in die Tat umsetzte. Durch geschicktes Netzwerken und viel Engagement konnte sie genügend Kunden für sich gewinnen, um sich auch in den magereren späteren Jahren damit gut über Wasser zu halten. Franz hingegen musste zusperren.

Innovation

Monika hatte sich in den späten 2000er Jahren mit einer speziellen Software-Lösung eine goldene Nase verdient. Verkaufsprovision, Implementierung, Einschulung. Dann die Entscheidung zu einer Weltreise – eh nur 6 Monate. Nach ihrer Rückkehr war der Hauptkunde weg, diese spezielle Software-Lösung irgendwie nicht mehr en vogue.

Die Auszeit war wie gerufen gekommen. Sie hatte schon als junge Frau davon geträumt, einmal eine längere Zeit im Ausland zu verbringen. Ihre Beziehung war zu dem Zeitpunkt irgendwie totgelaufen und nachdem sie sich das nötige Kleingeld bereits auf die Seite gespart hatte, wollte sie die Gelegenheit nicht ungenützt verstreichen lassen.

Von der neuen Technologie, die ihre bisherige Erfolgs-Story schön langsam abzulösen begann, erfuhr sie erst nach ihrer Rückkehr aus Australien, wo sie die letzten 2 Monate ihres Sabatticals genussvoll verbracht hatte. Zu dem Zeitpunkt war der Markt[nbsp] bereits besetzt mit einer Reihe junger, engagierter und motivierter Uni-Absolventen. Das, wofür Monika wenige Monate zuvor gutes Geld verlangt hatte, war inzwischen nur mehr eine eher unbedeutende Nebenleistung eines umfassenderen Angebotspakets.

Inzwischen ist sie froh, als Angestellte in der EDV-Abteilung eines Mitbewerbers ihres ehemaligen Kunden einen Job gefunden zu haben.

Disruption

Günter ist begeisterter Cineast. Schon in der Schulzeit hatte er sich ein umfangreiches Wissen über Filme, Regisseure und Schauspieler angeeignet – Schauspielerinnen natürlich auch. Seinen Jugendtraum, selbst irgendwie in die Filmindustrie einzusteigen, hatte er nicht wirklich auf die Reihe bekommen. Nach einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaften gab er es schließlich auf und nahm einen Job als Verkäufer in einem Buchladen an.

Als einige Jahre später TV-Videogeräte in Mode kamen war er einer der Ersten, die sich mit einer Videothek selbständig machten – und verdiente so letztlich doch noch über Jahre gutes Geld mit seiner Leidenschaft. Videokassetten prägten sein Leben, später DVDs.

Mit den ersten Video-Verleih-Automaten konnte er noch mithalten. Doch als es für einen immer größeren Kundenkreis einfach wurde, sich Videos für kleines Geld über das Internet zu leihen, musste er den Laden dicht machen.

Ähnliches hat der Modellbauer Robert erfahren, als der 3d-Druck aufkam – und Markus, der technischen Zeichner, der sich nie mit CAD anfreunden konnte. Und Sibille mit ihrem kleinen Fachgeschäft für Fotomaterialien und Hans mit einem ehemals gut gehenden Bastelbedarf.

Plötzlich sieht alles ganz anders aus

Plötzlich, weil die Bäume nun mal nicht unbegrenzt in den Himmel wachsen. Plötzlich aber vor allem für diejenigen, die die eigene Weiterentwicklung verschlafen haben – weil sie sich auf den Lorbeeren vergangener Erfolge ausruhten, sich in internen Machtkämpfen verstrickten und nicht mehr die Flexibilität aufbrachten, sich auf neue Technologien oder Rahmenbedingungen einzustellen.

Schade eigentlich, wenn leidenschaftlich engagierte Persönlichkeiten den Anschluss verlieren, weil sie das Wichtigste aus den Augen verlieren: die eigene konsequente Weiterentwicklung.

Eine gute Gelegenheit, andererseits, für engagierte Persönlichkeiten, sich mutig mit neuen Ideen zu positionieren. 😉