26.4.2006 - Coaching - Turbo in puncto Persönlichkeitsentwicklung
Die Vielfalt an Angeboten, die sich im letzten Jahrzehnt unter dem Titel „Coaching“ entwickelt hat, ist mittlerweile auch von Fachleuten nur noch schwer zu überblicken. Gleichzeitig scheinen die Aktivitäten zur Qualitätssicherung in der Branche deutlich zuzunehmen. Mit Coaching-Fachtagungen wie zum Beispiel jenen in Laxenburg und Aarau in diesem Frühjahr entwickeln sich Orte qualifizierten Meinungsaustausches und gegenseitiger Befruchtung weit über die Grenzen verschiedener methodischer Ansätze hinaus. Auch in Vorarlberg startete über Initiative von Mag. Wolfgang Steger eine gelungene Initiative zum Meinungsaustausch von in der Region tätigen Coaches. Es tut sich also was in der Branche.Besonders wertvoll scheint mir eine Entwicklung hin zu mehr Transparenz und Fassbarkeit dessen, was sich durch Coaching nachweislich entwickeln läßt: auf eine interessante Methode der Autonom Health® Gesundheits GmbH sind wir über Einladung des Internationalen Coaching-Verbandes (ICF) gestoßen. An der Informationsveranstaltung „Potential Coaching“ hat Johannes Defranceschi* teilgenommen und uns den folgenden Bericht zur Verfügung gestellt:
Informationsveranstaltung: „Potential Coaching“
Fa. Autonom Health® Gesundheitsbildungs GmbH
26|4|2k6, 1120 Wien, Arndtstraße 77/7, 18:30 – 21:00 h
Team:
Alfred Lohninger – Produktentwicklung
Kascha Lippert – Operations / Relations
Heinz Palasser – Betriebswirt
Hintergrund:
Ausgangspunkt der Veranstaltung bildete ein Überblick über wissenschaftliche Hintergründe zum Thema Lebensrythmen, der sich z.B. in Stoffwechselvorgängen, Hormonausschüttungen, Köpertemperatur, Atmung oder auch der zirkadianen Rhythmik wiederfindet.
Die Referenten weisen darauf hin, dass durch eine EKG-Messung die Herzfrequenzvariabilität festgestellt werden kann. Dabei variiert der zeitliche Abstand zwischen zwei Herzschlägen bei jedem Menschen, woraus sicher der Parameter der Herzschlagvariabilität (HRV) ergibt. Laut Referenten scheint einiges darauf hin zu weisen, dass die Differenz der zeitlichen Abstände als Indikator für Lebensqualität und Leistungsfähigkeit betrachtet werden kann.
Der Sympathicus ist in Kampf-/Fluchtsituationen primär aktiv, der Parasypaticus (Vagus) in Ruhe- bzw. Erholungssituationen. Diese beiden zentralen Systeme beeinflussen unter anderem das Herz und können zum Beispiel in einer Gefahrensituation die Energiezufuhr regulieren (Atmung, Herzschlag, usw.).
Autonom Health ® setzt diese EKG-Messungen ein, die die Herzfrequenzvariabilität mißt und Aufschluß über positive und negative Zeitabschnitte geben soll. Konkret könne gemessen werden:
• Biologisches Alter
• Regulationsfähigkeit
• Körperliche Belastbarkeit
• Geistige Beanspruchbarkeit
• Erholungsfähigkeit
• Schlafqualität
Wir gehen davon aus, dass es sich um eine erweiterte Form von Biofeedback handelt:
Der zirkadiane Tag-/Nachtrhythmus, und vor allem der damit einhergehende Hell-/Dunkelrhythmus stellt eine Grundlage für die zeitliche Organisation (damit Beschäftigt sich die Chronobiologie) von allen Lebewesen. Der Nucleus Suprachiasmaticus (bei Säugetieren), der als „Master Clock“ fungiert, reagiert dabei auf die Hell-/Dunkelrhythmik und dient vielen nachgeschalteten Strukturen als Zeitgeber. Ein 2. Rhythmus überlagert diesen 24 Stundenrhythmus ungefähr im 90 min Takt und gibt z.B. Auskunft über die momentane Leistungsfähigkeit.
Sicher ist, dass an den „Tiefpunkten“ die Leistung geringer ist – es ist empfehlenswert, hier eine Erholungspause einzulegen. Werden diese Pausen eingehalten wirkt sich das positiv auf den ganzen weiteren Verlauf des 2. Rhythmus und somit auf die Arbeit, Effizienz und in der Folge auch auf die Schlafqualität usw aus.
Bei einer HRV-Messung wird die Herzfrequenz im Zeitverlauf dargestellt. Das Spektrum wird dabei grob in ULF (ultra low frequency), LF (low frequency) und HF (high frequency) eingeteilt werden. Der Bereich der Physis liegt dabei eher im LF-Bereich, kognitive Prozesse im mittleren Frequenzbereich.
Kritik:
Als Gesundheits- bzw. Ressourcenfeedback scheint diese Methode einiges Potential zu beinhalten: insbesondere als datenbasierte Ergänzung parallel zu einem persönlichen Coaching.
Fraglich ist, ob bei einer derartige Messung Faktoren wie Dynamiken, psychische Prozesse oder Problemlösestrategien berücksichtigt werden. Die Grenzen dieser Methode müssten da ganz klar definiert werden, insbesondere die Darstellung der HVR als „Universalindikator“ müsste genau abgeklärt werden. Weiters stellt sich die Frage der einheitlichen Interpretation, Validität, Reliabilität. Wer macht die Auswertung? Wird fächerübergreifend gearbeitet? Z.B. wird ein Mediziner Interpretationen von kognitiven Komponenten alleine machen?
Zu berücksichtigen ist allerdings, dass in diesem Einstiegsvortrag diese vielen wichtigen Faktoren nur oberflächlich behandelt werden konnten. Es ist anzunehmen, dass sie in den weiterführenden Veranstaltungen genauer behandelt werden. Eine weitere Auseinandersetzung mit der Thematik steht also an und wird in den nächsten Wochen erfolgen.
Potential Coaching:
Die Referenten verstehen Gesundheit als Wert und Potential für das Jetzt und Morgen und verstehen ihren Ansatz im Sinne eines Ressourcenmanagements. Sie gehen so weit, von einer Detektion z.B. von Kreativität in der HRV auszugehen. An dieser Stelle sei allerdings deutlich auf die uneinheitlichen wissenschaftlichen Ansätze und Definitionsversuche gerade zu dieser Thematik hingewiesen.
Buchtipp: Aaron Antonovsky. „Salutogenese. Entmythisierung der Gesundheit“ Dgvt-Verlag, 1997 (Amazon)
Kontakt:
Autonom Health ® GesundheitsGmbH
Mag. Heinz Palasser, MBA
Managing Director
Invalidenstraße 7/9
1030 Wien
Phone +43 664 2860860
Fax +43 1 4021720
Heinz.palasser@autonomhealth.com
* Johannes Defranceschi studiert Psychologie im 2. Studienabschnitt und beschäftigt sich verstärkt mit Aspekten körperlicher Leistungsfähigkeit.



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